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„Die Trockenheit macht mir Sorgen“

Eines der ältesten Frankfurter Urban-Gardening-Projekte ist das Ginnheimer Kirchplatzgärtchen, wo gemeinsam in Hochbeeten gegärtnert wird. Wir haben bei Sybille Fuchs, Initiatorin des Kirchplatzgärtchens und Gründerin der Klimawerkstatt Ginnheim, nachgefragt, wie sie mit der durch das Coronavirus verursachten Situation umgehen.

Frankfurter Beete: Die Gartensaison beginnt mit strahlend schönem Frühlingswetter. Zugleich sind wir alle dazu aufgerufen, uns durch räumliche Distanz vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Wie geht ihr als Kirchplatzgärtner mit der Situation um?

Fuchs: Normalerweise würden wir jetzt gemeinsam die Gabionen auf dem Ginnheimer Kirchplatz aus dem Winterschlaf wecken und neu bepflanzen. Weil jedoch mit dem Alter die Gefahr einer ernsthaften Erkrankung durch das Coronavirus steigt, haben wir unsere SeniorInnen vorübergehend beurlaubt. Die Bepflanzung und das Herrichten der Gabionen hat in diesem Jahr ein Kernteam von vier Personen übernommen. Und wir achten darauf, beim Gärtnern Abstand zu halten. Was mir allerdings Sorgen bereitet, ist die Trockenheit zu diesem frühen Zeitpunkt im Jahr. Die letzten Jahre haben wir Wasserunterstützung durch das Grünflächenamt bekommen. Durch die Coronazeit ist dies erstmal nicht möglich. Wir sitzen nun schlagartig auf dem Trockenen und erleben Klimaanpassung im Schnelldurchgang. Daher suchen wir dringend Gießpaten aus der nahen Umgebung und aus der jüngeren Generation, die uns beim gelegentlichen Gießen unterstützen würden. Wer Zeit und Lust hat, kann mich einfach unter sybille@klimawerkstatt-frankfurt.de kontaktieren. Wir haben schnell eine Onlineplattform eingerichtet, um uns auszutauschen.

Frankfurter Beete: Im Moment lässt sich noch nicht absehen, ob die derzeitigen Kontaktbeschränkungen über den April hinaus verlängert werden. Anfang Mai findet ja immer eure Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz statt. Müsst ihr die nun absagen?

Fuchs: Absagen möchten wir unsere für den 11. Mai geplante Pflanzentauschbörse noch nicht. Wir hatten, wie üblich, einen großen Tag mit Workshops rund ums Stadtgärtnern und botanische Erkundungen geplant. So ein großes Fest können wir dieses Jahr nicht veranstalten, aber vielleicht schaffen wir es, im Mai einen kontaktarmen Pflanzentausch zu ermöglichen. Das werden wir spontan entscheiden. Wer Interesse hat, findet dazu Anfang Mai Informationen auf der Website der Klimawerkstatt oder unserer Facebookseite.

Sybille Fuchs und Jan Jacob Hofmann vom Ginnheimer Kirchplatzgärtchen. (Archivbild)

Frankfurter Beete: Du hast 2018 die Klimawerkstatt Ginnheim gegründet, mit der Du im Rahmen von Exkursionen, Vorträgen und Workshops für klimaschützendes Handeln sensibilisieren möchtest. Wie wird es da nun weitergehen?

Fuchs: Solange die offizielle Kontaktbeschränkung gilt, finden keine Vorträge oder Workshops statt. Das bedeutet aber nicht, dass das Thema Klimaschutz weniger dringlich wäre als noch vor wenigen Wochen. Wie viele soziale, kulturelle und ökologische Initiativen müssen wir nun schauen, wie es mit der Finanzierung der Klimawerkstatt Ginnheim künftig weitergeht. Sobald es die Lage zulässt, kann man uns wieder für Vorträge und Workshops rund um urbanes Gärtnern und Klimaschutz buchen. Beim Klimaschutz geht es darum, in kleineren Kreisläufen zu leben. Jetzt, in der Coronazeit, geht es auch darum, in kleinerem Radius zu leben. Ich würde mir außerdem wünschen, dass wir aus diesen schwierigen Tagen die gemeinsame Erfahrung mitnehmen, mit Verantwortung für unsere Mitmenschen und die Umwelt handeln zu können, wenn wir es nur wollen.


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