Allgemein Biene & Co.

Bee Sossenheim wird für biologische Vielfalt prämiert

Etwas für die Wildbienen und das ökologische Gleichgewicht tun – das hat sich die Nachbarschaftsinitiative Bee Sossenheim auf die Fahnen geschrieben. Seit rund zwei Jahren verwandelt sie ein ehemals brachliegendes Grundstück an der Westerbachstraße sukzessive in ein lebendiges Biotop. Dafür erhält sie jetzt den Preis „UN-Dekade Biologische Vielfalt“. Es ist nicht die erste Auszeichnung.

Hinter dem spannenden Projekt stehen die beiden studierten Biologen Tine Pfeffer und Dr. Ulli Nothwang. Sie ist Biologielehrerin, er im Straßenverkehrsamt tätig. Bereits seit vielen Jahren setzt sich das Pärchen für die Wildbienen ein. Wir besuchen sie in ihrem Häuschen, dessen Garten direkt an das ehemalige Brachgelände angrenzt. Beim Betreten der Projektfläche sind wir erstaunt über die Größe des Geländes. „Es umfasst knapp 4.000 Quadratmeter und ist eine wichtige Frischluftschneise. Daher darf es nicht bebaut werden“, sagt Pfeffer. „Anfangs mussten wir jede Menge Müll einsammeln und haben das unter anderem bei gemeinsamen Aktionen mit engagierten Anwohnern umgesetzt.“ Doch der Müll sei nicht das einzige Problem gewesen. So mussten zahlreiche Essigbäume entfernt werden, die mit ihren vielen Wurzeln immer wieder aus dem Boden schossen. Auch die Initiative Wildwiesen e.V. half Bee Sossenheim und machte mit ihrem roten Retrotraktor manche Brombeerhecke platt. Schließlich konnte die Neugestaltung der Brachfläche in Angriff genommen werden.

Der Riegel aus Totholz bietet nicht nur Insekten Schutz, er ist auch eine natürliche Schranke für Autos, die das Projektgelände gelegentlich als Abkürzung nutzten.

Totholz als Autoschranke

In einem nächsten Schritt, erzählt Nothwang, wurden lastwagenweise Sand beschafft, um den Boden magerer und damit geeignet für Wildblumenwiesen zu machen. Unterstützung kam auch von einem ortsansässigen Fuhrunternehmen, das mit dem Bagger den Kies für die geplanten Trockenmauern ankarrte. Des Weiteren wurden Totholzstreifen als Riegel angelegt, um Holzreste zu verarbeiten und eine Schranke gegen die Autos zu schaffen. Die nutzten manchmal das Gelände als Abkürzung, wenn in der Wilhelm-Fay-Straße Stau war. „Das Totholz bietet reichlich Platz zum Nisten für die Wildbienen und andere Insekten“, weiß Pfeffer. Im Gegensatz zur Honigbiene seien Wildbienen spezialisiert und gingen oft nur auf wenige Pflanzen. „So nutzt die Natternkopf Mauerbiene nur Pollen vom gemeinen Natterkopf als Nahrung“, nennt sie ein Beispiel.

Bei der Errichtung der Eidechsenmauer half auch ein benachbartes Bauunternehmen.

Eine Burg für Eidechsen

Mit dem angelieferten Schotter wurde die Grundlage für eine Eidechsenburg und eine Eidechsenmauer geschaffen. „Die Steine dafür haben wir teils gekauft, aber auch von unseren Urlauben mitgebracht“, schmunzelt Pfeffer, die zugibt, dass sie ein Faible für Steine hat. Bislang haben die beiden Biologen dort zwar noch keine Eidechsen gesehen, dafür aber viele Bienen, denn sie bepflanzten die kleinen Bauwerke unter anderem mit Muskatellersalbei und einer Edeldiestel, die attraktiv für alle Arten von Insekten sind. In einer weiteren Aktion wurde ein Zaun um das weitschweifige Gelände von Bee Sossenheim gesetzt, um Kaninchen fernzuhalten. „Wir haben auch ein paar Regentonnen aufgestellt. Sie werden über eine Gartenpumpe von dem Wasser aus unseren Fässern im eigenen Garten gespeist“, informiert sie weiter.

Bischofsmütze, Maunzenapfel und Schafsnase

„Unser Fokus liegt ganz allgemein auf Insekten“, verrät Nothwang. „Bienen sind für uns eher ein Aufhänger für das Thema ökologisches Gleichgewicht. Wo Bienen sind, braucht man passende Pflanzen für sie.“ Auch Bäume seien mit ihren vielen Blüten eine wichtige Nahrungsquelle im Frühjahr. „Wir haben bei der Baumschule Pflanzlust Obstbäume gekauft. Dort gibt es viele alten Sorten“, ergänzt Pfeffer. Wir sehen uns einige der jungen Bäume auf dem Gelände an. Auf den kleinen Tafeln, die an den Stützkonstruktionen befestigt sind, stehen so lustige Namen wie Maunzenapfel, Hanauer Bischofsmütze und Schafsnase. Zudem wurden unter anderem Flaumeiche und Felsenbirne gepflanzt, die nicht nur für die Bienen attraktiv seien, sondern auch mit den sich verändernden klimatischen Bedingungen gut zurechtkämen.

Bei den gepflanzten Obstbäumen handelt es sich ausschließlich um alte Sorten.

Starker Flugbetrieb im Frühjahr

Vor rund einem Jahr haben die beiden Initiatoren einen Gestattungsvertrag mit dem Liegenschaftsamt geschlossen. Seitdem dürfen sie offiziell das Gelände bewirtschaften. Eine Zeitlang wurde Bee Sossenheim vom Grünflächenamt bezuschusst, doch das meiste zahlten die Biologen bislang aus eigener Tasche. Dazu gehört auch ein eindrucksvolles Insektenhaus, das sie selbst gebaut haben. „Nachdem wir das Häuschen fertiggestellt haben, wurde es sofort besetzt, das zeigten uns die zahlreichen verstopften Röhren der Pflanzenstängel“, sagt Pfeffer. „Im Februar und März ist hier starker Flugbetrieb. Die Männchen, die früher schlüpfen, warten auf die weiblichen Bienen und suchen natürlich nach Futter.“ Im Insektenhaus entdecken wir auch ein Modell, das zeigt, wie sich die Bienenlarven in den Röhren entwickeln. Auch das hat das fleißige Pärchen selbst gebastelt.

Vier Mal ausgezeichnet

Am 17. Oktober bekommt Bee Sossenheim auf der Projektfläche von Staatssekretär Oliver Conz den Preis „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ überreicht. Zusammen mit dem Bürgerpreis 2019, der Patenschaftsurkunde der FES für mehr Sauberkeit in Frankfurt und dem Nachbarschaftspreis 2018 des Frankfurter Programms aktive Nachbarschaft ist es bereits die vierte Auszeichnung für das ambitionierte Projekt in nur zwei Jahren – Respekt!

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