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Neustart für den Frankfurter Garten

Urban Gardening Frankfurt: Neuer Frankfurter Garten

Am vergangenen Sonntag wurde der „Neue Frankfurter Garten“ auf dem Danziger Platz von Umweltdezernentin und Schirmherrin Rosemarie Heilig offiziell eingeweiht. Bereits seit einigen Monaten macht der Verein Bienen-Baum-Gut den Gemeinschaftsgarten fit für die Gartensaison. Frankfurter Beete sprach mit den Vereinsgründerinnen Corina und Cher Haurová über ihre Zukunftspläne für Frankfurts größtes Urban Gardening-Projekt.

Frankfurter Beete: Seit wann seid ihr im Frankfurter Garten aktiv?

Corina: Bereits 2016 hat uns Thorsten Herget, der lange Zeit die Bienen im Frankfurter Garten betreut hat, gefragt, ob wir den Bienenstand dort übernehmen wollen. Wir haben zugesagt und einen Bienenbaum-Wipfelpfad geschaffen, wo wir Bienen auf natürliche Weise halten. Das kam sehr gut an.

Frankfurter Beete: Warum habt ihr den Gemeinschaftsgarten übernommen?

Cher: Ursprünglich wollten wir ihn gar nicht übernehmen. Das ging nur unter der Bedingung, dass die an dem Projekt beteiligten Gärtner sich einsetzen und wir einen Verein für Urban Gardening und Urban Bee-Keeping gründen. Inzwischen gibt es zehn neue Gärtner, die hier angefangen haben. Alle sind sehr begeistert. Zusammen mit den „alten“ Gärtnern haben wir jetzt rund 30 Vereinsmitglieder.

Corina: Wir haben viel Geld und Arbeitszeit in den Neuen Frankfurter Garten gesteckt. Eigentlich war mir das Bienenprojekt genug ehrenamtliches Engagement. Aber da sich für den Frankfurter Garten kein anderer Träger gefunden hat und Bienen und Pflanzen einfach zusammengehören, haben wir uns beide entschlossen, das gemeinsam zu wuppen.

Die Vereinsgründerinnen Corina und Cher Haurová

Frankfurter Beete: Wie seit ihr eigentlich zum Imkern gekommen?

Cher: Wir haben schon lange einen Schrebergarten. Uns fiel damals auf, dass es dort kaum Bienen gibt und daher die Pflanzen nicht bestäubt wurden. Deshalb haben wir beschlossen, einen Imkerkurs für naturnahes Imkern zu machen. So kam dann eins zum anderen.

Frankfurter Beete: Euer Bienenprojekt im Frankfurter Garten kommt ja sehr gut an. Könnt ihr hierzu etwas sagen?

Corina: Unser Wipfelpfad besteht aus zwei Baumplattformen, die durch eine Hochseilbrücke verbunden sind. Die erste Plattform erreicht man über einen massiven Baumstamm, in den wir eine Holztreppe geschnitzt haben. Dort informieren wir die Besucher über die unterschiedlichen Formen der Imkerei. Auf der zweiten Plattform stehen dann die Klotzbeuten mit den Bienenvölkern. Das sind ausgehöhlte und teils natürlich hohle Baumstämme, um den Bienen einen möglichst natürlichen Lebensraum zur Verfügung zu stellen.

Cher: Das Grünflächenamt hat uns netterweise einen hohlen Baum zur Verfügung gestellt, den wir in diesem Jahr besiedelt haben. Ein Schwarm ist dort von selbst eingezogen. Sonst siedeln Honigbienen ja oftmals in Schornsteinen oder unter Regenrinnen, da sie keine natürlichen Hohlräume mehr finden. Dass sie den Stamm von selbst gefunden haben, war eine wunderbare Premiere für uns und zeigt, dass die Stadtbienen die erstellten Klotzbeuten als Lebensräume dankbar annehmen.

Die beiden Plattformen des Baum-Wipfelpfades sind durch eine bunte Hochseilbrücke verbunden.

Frankfurter Beete: Gärtnert ihr weiter in Hochbeeten?

Cher: Im Prinzip ja. Wir wollen nur alles auf Bio umstellen und haben kostenlos Biosaatgut von arche-noah, Sativa und Beetfreunde zur Verfügung gestellt bekommen, alte Sorten, die es teilweise nicht mehr gibt. Wir werden daraus selbst Saatgut ziehen und weitergeben und so der Monopolisierung entgegenwirken. Die Hochbeete bauen wir selbst aus unbehandeltem und damit bienenfreundlichem Lärchenholz. Mit Bio-Harzöl bestrichen, hält das ewig!

Corina. Durch die Beete sind wir sehr mobil. Selbst wenn die Deutsche Bahn hier bauen wird, was vermutlich nicht vor 2021 der Fall ist, können wir relativ schnell umziehen.

Frankfurter Beete: Habt ihr noch Gastronomie im Garten?

Cher: Ja. Wir haben ein Vereinscafé, das auch offen für Besucher ist. Dort verzehren  wir u.a. selbst gemachten Kuchen und Bio-Getränke. Unser Ziel ist ein Selbstversorgergarten, wo wir alles selbst produzieren. Wir geben gegen Spende, da wir keinen kommerziellen Verkauf wünschen.

Corina: Über das Thema Essen und Trinken kann man einfach schnell ins Gespräch kommen, beispielsweise in Bezug auf die Herkunft und Qualität der Lebensmittel. Für uns ist das eine Begegnungsstätte, wo man nett beieinandersitzen kann.

Die neuen Hochbeete sind aus besonders haltbarem Lärchenholz.

Frankfurter Beete: Macht ihr auch Veranstaltungen?

Cher: Klar. Wir haben zum Beispiel weiter Besichtigungs- und Workshop-Angebote für Schulen. Und wir wollen auch Tauschbörsen für Saatgut und Pflanzen sowie einen Kräutermarkt einführen. Im September kommt übrigens der Grüne Markt hierher.

Corina: Wir freuen uns über alle, die uns unterstützen. Man kann sich gärtnerisch, handwerklich, aber auch künstlerisch einbringen. So hat uns ein Künstler tolle Bienenmotive zur Verfügung gestellt und es gibt Musikaufführungen im Garten. Wir stehen eben für Vielseitigkeit, Nachhaltigkeit und den offenen Austausch.

Frankfurter Beete: Hattet ihr auch Unterstützung vonseiten der Stadt?

Cher: Ja und wir sind sehr dankbar dafür. So hat uns der RMB Holzschnitzel gebracht und die FES die Reinigung und den Abtransport des alten Sperrmülls übernommen. Auch das Grünflächenamt hat uns hier ganz toll unterstützt.

Corina: Wir werden aber auch von Unternehmen unterstützt. Die Gebrüder Krämer lieferten uns Baumstämme für Bienen und Beete, der Odenwälder Holzhändler Gerpol das Lerchenholz für die Hochbeete. Und die Firma Boels hat uns Radlader kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ohne ihre Unterstützung und die der vielen ehrenamtlichen Gärtnerinnen und Gärtner würde der Neue Frankfurter Garten nicht funktionieren.

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