Urbanes Gärtnern

Oase im Asphalt

Urban Gardening Frankfurt: Lortzingstraße

Mitte März fiel der Startschuss für ein neues Urban Gardening-Projekt im Nordend. Wir waren bei der Pflanzaktion am vergangenen Samstag vor Ort und sprachen mit Vertretern der Bürgerinitiative contra Quartiersgarage, die für den Gemeinschaftsgarten in der Lortzingstraße viele Jahre gekämpft haben.

Entstanden war das Gartenprojekt aus einem eher ungewöhnlichen Grund: Mehrere zum Teil über einhundert Jahre alte Bäume mussten in der Lortzingstraße dem Bau einer Quartiersgarage unterhalb der ehemaligen Glauburgschule weichen. Vergeblich hatte sich eine aus Bewohnern des Karrees zusammensetzte Bürgerinitiative gegen diese Aktion gestemmt. Als Ausgleich stellten der zuständige Ortsbeirat und das Verkehrsdezernat nach langen und zähen Verhandlungen schließlich einen fünfstelligen Beitrag für ein Urban Gardening-Projekt zur Verfügung. Mit den Geldern wurden dann im Herbst letzten Jahres zwei 35 und 88 Quadratmeter Straßenbereiche entsiegelt und mit Erde aufgeschüttet, die bis dahin als Stellplätze für Pkw gedient hatten. Auf dem größeren Beet begannen die Nachbarschaftsgärtner am vergangenen Samstag damit, Obst und Gemüse anzupflanzen. Bereits eine Woche zuvor waren im oberen Beet Sträucher gesetzt worden, deren Blüten und Früchte künftig Insekten und Vögeln als Nahrung dienen sollen.

Ein echtes Nachbarschaftsprojekt

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Diane Henn freut sich über den gelungenen Start des Projekts.

„Die aus der Bürgerinitiative entstandene Gartengemeinschaft besteht aus etwa 15 Mitgliedern, alles Anwohner aus dem Karree“, informiert uns Diane Henn, eine der Initiatorinnen. „Jeder kann bei uns seine eigenen Wünsche einbringen und das Anpflanzen was er mag“, ergänzt Katja Kaiser. Die Landschaftsgärtnerin ist für die fachliche Beratung hinsichtlich der Auswahl der Pflanzen zuständig, hilft aber auch in den Beeten tatkräftig mit. Wir erfahren, dass bereits einige Beerensträucher wie Johannisbeeren und Himbeeren gepflanzt wurden. Daneben könne sich aber jeder frei nach dem Motto „Wer zuerst kommt pflanzt zuerst“ eigenes Gemüse ziehen, ergänzt Henn. Ohne sich um die kühle Witterung an dem eher grauen Samstagvormittag zu kümmern, sind rund ein halbes Dutzend Freizeitgärtner  im unteren Beet damit beschäftigt, die ersten Erdbeerzöglinge und andere Pflänzchen und Sträucher in die Erde zu bringen.

Beete anstatt Parkplätze

Ungewöhnlich an dem Gartenprojekt ist auch, dass nicht wie sonst in Gemeinschaftsgärten üblich Hochbeete oder Gabionen aufgestellt werden, sondern echte Beete mitten im Asphalt angelegt wurden. „Dafür war eigens der Boden aufgebrochen und jeweils ein zirka 50 Zentimeter tiefes Loch gegraben worden, in das dann die Pflanzerde kam“, erläutert Kaiser. Vorteil sei, dass die verwendete Erde kaum Unkrautsamen besitze. „Löwenzahn und andere ungebetene Gäste kommen ohnehin von allein“, schmunzelt die Landschaftsgärtnerin. Neben dem Gärtnern ist der Gartengemeinschaft aber auch der soziale Aspekt wichtig. „Es ist einfach schön, etwas gemeinsam zu machen“, sagt Henn. „Daher wollen wir neben dem Gärtnern auch Veranstaltungen durchführen, wie zum Beispiel einen Flohmarkt und ein Nachbarschaftsfest.“ Bereits am 2. April ist die nächste Pflanzaktion geplant. Dann kommen Stauden in die Erde. „Jeder, der Spaß am gemeinsamen Gärtnern hat, ist herzlich eingeladen, mitzumachen“, sagt Henn. Man solle aber einen Spaten mitbringen, denn die würden noch gebraucht, ergänzt sie eher scherzhaft.

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Blick auf das obere Beet, das mit Sträuchern wie Holunder und Berberitze vor allem Insekten und Vögel anlocken soll.

 

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