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„Ich sehe uns Menschen als Teil der Natur“

Direkt an den Gleisen nahe der Haltestelle Frankfurter Berg hat Julia Auer ein ehemals verwildertes Grundstück in einen schönen Nutz- und Naturgarten verwandelt, den sie nach dem Hortus-Prinzip betreibt. Durch den Ausbau der Bahnstrecke Frankfurt-Friedberg musste jetzt ein Teil davon neuen Gleisen weichen. Wir haben sie besucht und uns bei ihr umgesehen.

Frankfurter Beete: Julia, seit wann hast Du den Garten und was waren Deine Beweggründe für ein solches Projekt?

Auer: Ich wollte immer schon eine kleine Oase in der Stadt haben, wo auch meine Kinder spielen können. In einem verwilderten Garten nahe unseres Wohnhauses habe ich öfters Flieder für meine Mutter gepflückt. Einmal kam ein Rodungstrupp vorbei. Einer der Arbeiter sagte mir, dass der Garten nicht verpachtet werden kann, da er zu verwildert sei. Das war für mich das Zeichen, genau das zu tun (lacht). 2011 habe ich ihn dann gepachtet.

Frankfurter Beete: Derzeit wird die Main-Weser-Bahn von zwei auf vier Gleise erweitert. Wie ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten und was bedeutet das für Deinen Hortus?

Auer: Es wurde ein langgezogenes Dreieck, mit zirka sieben Meter an der breitesten Stelle, auf der gesamten Länge des zirka 850 Quadratmeter großen Grundstücks weggenommen. Damit sollten eigentlich die Rodungsarbeiten beendet sein. Doch vor ein paar Wochen habe ich einen Brief von der Stadt bekommen, dass ein drei Meter breiter Weg neben der Bahntrasse geplant ist. Dadurch würden noch einmal etwa 130 Quadratmeter mehr Fläche wegkommen und neun ausgewachsene Bäume gefällt werden. Das ist sehr schade! Doch es gab auch schöne Momente bei den Bauarbeiten. So war die Kooperation mit den Bauarbeitern ganz toll. Sie haben für mich beispielsweise mit dem Bagger das gefällte Holz in den Garten gesetzt. Dadurch konnte ich einen langen Totholzzaun bauen, der jetzt aber beim Wegebau leider wieder zerstört werden wird.

Direkt am Bauzaun ist eine eindrucksvolle Totholzhecke entstanden.

Frankfurter Beete: Du machst ja auch Führungen durch Deinen Garten. Wie läuft das derzeit?

Auer: Als die Corona-Pandemie letztes Frühjahr um sich griff, habe ich erst einmal keine Führungen mehr gemacht. Nachdem die Fallzahlen dann im Sommer wieder sanken, ging es weiter. Ich war über die hohe Nachfrage überrascht. Die Menschen waren ganz wild auf die Natur und kamen mit ihren Kindern und Freunden. Ich habe sogar Führungen nur für Kinder gegeben. Das war sehr spannend. Auch jetzt mache ich wieder Führungen. Der Garten ist bewusst etwas wild gehalten, damit man davon berührt werden kann. Ich sehe uns Menschen als Teil der Natur, in die wir uns einfügen sollten.

Frankfurter Beete: Was heißt das konkret für Dein Gartenprojekt?

Auer: In meinem Garten gibt es viele regional typische Pflanzen, die die meisten Besucher noch nie gesehen haben, wie zum Beispiel die Wald-Witwenblume oder den Zottigen Klappertopf. Von den Spenden, die ich durch meine Führungen erhalte, kaufe ich wieder neue Pflanzen. Wir Menschen formen ja die Natur, zum Beispiel durch Nutzwälder, ausgedehnte Äcker und exotische Blumen im Garten. Dadurch wachsen mittlerweile kaum noch regionale Pflanzen. Bei meinen Führungen versuche ich zu vermitteln, dass es wunderschöne Arten gibt, die man in seinem Garten halten kann. Es geht mir aber auch darum, dass Wildtiere immer etwas zu Fressen finden.

Frankfurter Beete: Was würdest Du für regionale Pflanzen empfehlen?

Der Natternkopf ist eine regionale Pflanze, die viele Insekten mögen.

Auer: Da gibt es zum Beispiel den Natternkopf, der die Bienen den ganzen Sommer mit Nektar versorgt. Es ist auch nicht schwer, eine kleine Wildblumenecke anzulegen, die den Insekten die ganze Saison lang Nahrung bietet. Ein echter Allrounder ist der Faulbaum, eine sehr vielseitige Pflanze, die fast das ganze Jahr blüht. Viele Schmetterlingsarten legen ihre Eier dort ab. An die Blüten gehen gerne Bienen und die Beeren werden von den Vögeln gefressen. Man sollte aber grundsätzlich immer verschiedene Pflanzen in seinen Garten setzen, damit auch spezialisierte Insekten wie manche Wildbienen Nahrung finden. Zudem brauchen sie wie wir Wasser, etwas zu Essen und Unterschlupf, um ihre Brut großzuziehen. Wenn ein Element fehlt, kommen die Insekten nicht. Daher habe ich einen Totholzzaun im Garten und sorge mit einem kleinen Teich für genügend Wasser.

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