Gemeinschaftsgärten

Gemeinschaftsgärten – mehr als „nur“ gemeinsam gärtnern

Gemeinschaftsgärten sind die Energiezentren der Urban Gardening-Bewegung. Allein in Frankfurt sind in 2013/14 ein gutes Dutzend urbaner Gartenprojekte entstanden – Tendenz weiter steigend. Das Gärtnern in der Gemeinschaft scheint ein Bedürfnis zu befriedigen, das über die private Beschäftigung mit Pflanzen und Erde hinausgeht. Vor diesem Hintergrund hat Frankfurter Beete alle bekannten Gemeinschaftsgärten zu ihren bisherigen Erfahrungen und ihrer Motivation befragt. Die Rückmeldungen aus den Gärten zeigen die besondere soziale Dimension der Projekte.

Gemeinschaftsgärten sind Stadtteilprojekte

Im Gemeinschaftsgarten treffen sich Menschen, um gemeinsam zu gärtnern. Doch schon der Blick auf die acht Gartenprojekte, die an unserer Befragung teilgenommen haben, macht deutlich, wie vielfältig die Urban Gardening-Szene ist. (Für Hinweise zum Projekt bitte mit der Maus übers jeweilige Bild fahren (nicht anklicken).

Ginnheimer KirchplatzgärtchenRiederwälder GartenGriesheimer BahnhofsgärtchenKirchgarten Ev. WartburggemeindeSchulgarten Albert-Schweitzer-SchuleRödelheimer BahnhofsgrünBienengarten Transition TownHafengarten Offenbach

Sämtlichen Gartenprojekten gemeinsam ist die starke Verwurzelung mit ihrem jeweiligen Standort. So verstehen sich alle von uns Befragten gleichermaßen als Stadtteil- und als Gartenprojekt. Entsprechend breit gefächert ist das Themenspektrum: An erster Stelle steht das aktive Miteinander im Rahmen der Nachbarschaft. Beinahe ebenso wichtig ist es den Akteuren, einen ökologischen Beitrag zu ihrem unmittelbaren Lebensumfeld zu leisten. Weitere Motive sind die Möglichkeit zur Stadtverschönerung sowie die Nutzung des Gartens als Plattform für Lesungen, Live-Musik, Tauschbörsen und Feste. Die Eigenversorgung mit Gemüse spielt nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn in vielen Projekten bewusst Nutzpflanzen integriert sind.

Gartenprojekte werden positiv wahrgenommen

Ein Garten im öffentlichen Raum – der wird doch als Hundeklo und Müllablage missbraucht oder gar mutwillig zerstört? Doch das Gegenteil ist der Fall, oder, wie es die Ginnheimer Kirchplatzgärtner mit einem Augenzwinkern formulierten: „Der größte Vandalismus war bisher das Einpflanzen von drei Erdbeerpflänzchen.“ Tatsächlich konnten alle Gartenprojekte ausgesprochen positive Rückmeldungen im Hinblick auf die Akzeptanz geben. Zitate von Frankfurter GemeinschaftsgärtenAuch viele nicht eingebundene Bürger schätzen offenbar das Engagement der Gemeinschaftsgärtner als Bereicherung für ihren Stadtteil. Das zeigt sich projektübergreifend an sehr geringen Schäden durch Vandalismus oder Diebstahl. Wo Obst und Gemüse im frei zugänglichen Raum gepflanzt sind, müssen die Gärtner allerdings damit leben, dass bisweilen „fremdgenascht“ wird. Eine schöne Beobachtung, die ausnahmslos alle Projekte teilen: Das Gärtnern erweist sich als Brücke, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, für Themen zu sensibilisieren und neue Kontakte zu knüpfen.

Medienresonanz erwünscht

Welche Kontakte sind wichtig für euer Projekt, hatten wir gefragt, und wunderten uns zunächst, dass die Berichterstattung in den Medien und der Austausch über die Sozialen Netzwerke von allen Projekten als besonders wichtig eingestuft werden. Erst an dritter und vierter Stelle steht der Kontakt mit Organisationen aus dem Naturschutz oder dem sozialen Bereich sowie der Stadt und den zuständigen Ämtern. Eine Erklärung liefern die Rückmeldungen der Gemeinschaftsgärten zu ihrem Selbstverständnis, Frankfurter Gemeinschaftsgärten verstehen sich als Impulsgeberdas über das reine Gärtnern deutlich hinausweist. Dass die Gemeinschaftsgärten zu zentralen Knotenpunkten im Netzwerk einer Greencity werden könnten, zeigen die vielfältigen Aktivitäten allein in diesem Jahr. Praktisch alle Gärten haben ihre Präsenz im öffentlichen Raum genutzt, um ihr Projekt im Rahmen von Pflanztagen, Stadtrundgängen, Tauschbörsen, Festen oder Workshops einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und für eine grüne Stadt zu sensibilisieren.

Impulsgeber für nachhaltiges Leben in der Stadt

Die bestehenden Erfolgsbeispiele machen Schule: So sind in Frankfurt aus dem Förderprogramm Stadtteilbotschafter der Polytechnischen Gesellschaft sowie über das Quartiersmanagement des Frankfurter Bund bereits Nachfolge-Projekte entstanden. In Offenbach hat der Hafengarten das Interesse am gemeinschaftlichen Gärtnern geweckt und bereitet so den Boden für kleinere Stadtteilprojekte. Kreatives Gärtnern mit PalettenIn Ginnheim hat sich über den Aufbau des Kirchplatzgärtchens eine neue Gruppe im Netzwerk ‚Aktive Nachbarschaft‘ zusammengefunden. Und der Kirchgarten der Wartburggemeinde war Station der ersten Frankfurter Stadtwandeln-Rundgänge. Bereits bei dieser Bestandsaufnahme der meist erst ein bis zwei Jahre existierenden Projekte lässt sich sagen: Gemeinschaftsgärten bereichern die Stadt nicht nur mit ihrem Grün und kreativen Ideen, sie bringen – und das ist vielleicht noch wichtiger – die Menschen miteinander ins Gespräch und wirken so als Impulsgeber im Sinne einer nachhaltigen und sozialen Stadtentwicklung. Die Hafengärtner aus Offenbach bringen es auf den Punkt: „Ganz klar sind die Gemeinschaftsgärten mehr als nur gemeinsames Gärtnern. Der Mehrwert besteht darin, dass kulturübergreifend Menschen miteinander verbunden sind. Und das ‚nur‘ durch den kleinsten gemeinsamen Nenner: das Gärtnern.“

Zur Befragung

Als Gemeinschaftsgärten haben wir Gruppen angesprochen, die zur aktiven Teilnahme einladen und/oder deren Gartenprojekte für Besucher frei zugänglich sind. Von 13 im September angefragten Gartenprojekten in Frankfurt und Offenbach haben uns acht ihre Erfahrungen geschildert. Wir danken unseren Ansprechpartnern vom Ginnheimer Kirchplatzgärtchen, dem Griesheimer Bahnhofsgärtchen, dem Hafengarten Offenbach, dem Riederwälder Garten, dem Rödelheimer Bahnhofsgrün, dem Stadtteilbotschafterprojekt an der Albert-Schweitzer-Grundschule, dem Transition Town-Bienengarten sowie dem Kirchgarten der Ev. Wartburggemeinde für ihre Unterstützung.

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