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Ein Kleingarten nach dem Permakulturprinzip

Rasenflächen und schnurgerade angelegte Beete und Wege sucht man im Kleingarten von Erdmuthe Gensler und ihrer Familie vergebens. Wir haben uns verabredet, weil ich in einem Permakulturforum auf die Einladung zur Besichtigung des Gartens gestoßen und neugierig war, inwieweit sich Permakulturprinzipien im klassischen Kleingarten umsetzen lassen.

Natürlicher Lebensraum für Pflanzen und Tiere

„Wenn ich ehrlich sein soll, wusste ich über Permakultur nicht allzu viel, als ich vor rund zwölf Jahren die Parzelle übernommen und neu angelegt habe“, erzählt die Eschersheimer Kleingärtnerin. „Am Anfang stand vor allem das Gefühl, dass der Garten völlig ausgezehrt war und als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen wenig zu bieten hatte“, beschreibt sie ihre Motivation zur Umgestaltung. Heute bietet ihr Garten Raum für eine kaum bezifferbare Pflanzenvielfalt. Allein 25 essbare Kultur- und Wildkräuter bereichern insbesondere im Frühjahr die Familienküche und lindern, richtig eingesetzt, manche Beschwerde von der Erkältung bis zur Magenverstimmung. „Zudem stehen fast das ganze Jahr über Blüten als wertvolle Nahrungsquelle für Insekten zur Verfügung“, nennt Gensler einen schönen Nebeneffekt ihrer naturnahen Bepflanzung. Dafür wurde sie 2013 mit dem zweiten Platz beim Wettbewerb „Frankfurt summt“ für besonders bienenfreundliche Gärten ausgezeichnet.

Ökologische Vielfalt im Permakulturgarten
Eine nahezu ganzjährige Blüte macht den Permakulturgarten zum ökologisch wertvollen Lebensraum für Insekten und Kleintiere.

Eine Wildnis, die Pflege braucht

Die Permakultur steht für einen schonenden, sich selbst erhaltenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen, insbesondere dem Boden. Chemische Dünger und Insektenvernichter sind tabu. Pflanzen werden nicht in akkurater Reihe, sondern in sich gegenseitig unterstützenden Gemeinschaften gesetzt. Im Garten von Erdmuthe Gensler winden sich kleine Wege zwischen den organisch angelegten Beeten und Obstbäumen hindurch. Hier und da leuchtet eine Tomate aus einem Kräuterbeet, ein Kürbis zwischen blühenden Stauden hervor.

Bei meinem spätsommerlichen Besuch treffe ich die Permakultur-Anhängerin beim Ernten und behutsamen Zurückschneiden an. Auch wenn es nach ihrer Einschätzung eigentlich kein Unkraut gibt, braucht der Garten Pflege. Gensler lacht: „Vielleicht erkennt es nicht jeder gleich, aber es ist eine gepflegte Wildnis, die sich hier entfalten darf und soll.“ Damit diese auf einer vergleichsweise kleinen Fläche im Gleichgewicht bleibt, müssen besonders wüchsige Pflanzen regelmäßig ausgedünnt, Stauden verjüngt und Obstgehölze zurückgeschnitten werden.

Pfirsichernte im Permakulturgarten
Trotz anhaltender Trockenheit haben Pfirsich- und Apfelbäume reichhaltig Früchte angesetzt.

Permakultur kommt mit wenig Bewässerung aus

Der Lohn für diese Arbeit ist eine reichhaltige Ernte: Die Weinstöcke hängen voller Trauben und an den Bäumen leuchten Äpfel und Pfirsiche um die Wette. Trotz der anhaltenden Trockenheit ist es ein gutes Obstjahr. Erdmuthe Gensler hat sich mit dem Gießen auf das Nötigste beschränkt. Auch hier hilft ihr der Permakulturansatz. Gensler: „Weil die verschiedenen Pflanzen relativ eng stehen und sich gegenseitig Schatten spenden, ist der Wasserbedarf niedriger als in einem Garten mit viel offener Erde.“ Wer nun neugierig geworden ist: Erdmuthe Gensler stellt Interessierten gerne ihren Permakultur-Kleingarten in Frankfurt-Eschersheim vor. Im Frühjahr veranstaltet sie zudem regelmäßig Kräuterführungen in Niederursel und Rumpenheim. Kontakt: www.wildpflanzen-sammlung.de

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