Stadtgrün

Viele Daumen begrünen die Stadt

Stephan Heldmann ist der Leiter des Grünflächenamts Frankfurt. Im Interview unterstreicht er die Bedeutung von Gärten und Grünprojekten für die Lebensqualität der Stadt.

Frankfurt gärtnert: Die Lebensqualität von Städten wird nicht zuletzt am Angebot der Grün- und Freiflächen festgemacht. Warum sind diese so wichtig für unser Wohlgefühl?

Heldmann: Frankfurt ist eine wachsende Stadt mit all den Herausforderungen, die aus einer verdichteten Bau- und Verkehrsinfrastruktur resultieren. Gleichzeitig wissen wir aus vielen Studien, wie wichtig die Erhaltung von Grün- und Freiräumen für die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen ist, die in der Stadt leben. Sie sind für jedermann kostenfrei, jederzeit nutzbar und daher eine unentbehrliche Zutat für das soziale Gleichgewicht in der Stadt. In Frankfurt sind wir in der glücklichen Lage, dass über 80 Prozent der Einwohner in weniger als 300 Metern Entfernung zu einer Grünfläche leben – auch wenn diese flächenmäßig vielleicht klein sind, einen Platz im Schatten, zum Ausruhen und für ein Gespräch mit Bekannten bieten sie allemal.

Frankfurt gärtnert: Welche Rolle spielen private und öffentliche Gärten für das grüne Gesicht der Stadt?

Heldmann: Mit dem Grüngürtel liegt Frankfurt in ein einzigartiges Naherholungsgebiet eingebettet, das allein gut 30 Prozent des gesamten Stadtgebiets ausmacht. Im Stadtzentrum und den Stadtteilen konkurrieren hingegen Grün- und Freiflächen mit Gebäuden und Verkehrswegen. Die vielen tausend Gärten und begrünten Hinterhöfe bilden im Verbund mit den mehr als 40 Parks sowie anderen städtischen Grünflächen ein ökologisches Netz, das im Sommer für dringend benötigte Abkühlung sorgt und vielen Vögeln, Kleintieren und Insekten als Rückzugsort dient. Gärten sind nicht nur eine erfüllende Freizeitbeschäftigung, sie bilden auch ein wertvolles Gegengewicht zur verdichteten und versiegelten Stadt.

Frankfurt gärtnert: Wie können sich die Frankfurterinnen und Frankfurter aktiv an der Pflege und Erweiterung dieses grünen Netzes beteiligen?

Heldmann: Zum Beispiel durch eine artenreiche und bienenfreundliche Bepflanzung von Hausgärten, Balkonen sowie den mehr als 16.000 Klein- und Freizeitgärten im Stadtgebiet. Auch die Pflege einer Baumscheibe oder das Wässern eines der mehr als 200.000 Stadtbäume im Sommer ist ein Engagement, das das Grünflächenamt gerne durch Eintragung einer Baum- oder Beetpatenschaft unterstützt. Und nicht zuletzt freuen sich die Urban Gardening-Initiativen über Menschen, die aktiv mitmachen und den Gedanken der grünen Stadt in die Tat umsetzen möchten.

Frankfurt gärtnert: Stimmt der Eindruck, dass das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Gestaltung und Pflege der städtischen Grün- und Freiflächen in den letzten Jahren zugenommen hat?

Heldmann: Der Eindruck ist richtig. Als Grünflächenamt sehen wir eine unserer Aufgaben darin, um Verständnis für den Wert urbanen Grüns in alle seinen unterschiedlichen Ausprägungen und Funktionen zu werben. Daher freuen wir uns über das gestiegene Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung öffentlicher Freiflächen. Bei der Planung, Gestaltung und Sanierung von Parks und Grünanlagen, aber beispielsweise auch Spielplätzen, die als Freiflächen ebenfalls vom Grünflächenamt betreut werden, versuchen wir potenzielle Nutzergruppen bereits im Vorfeld einzubinden, um die Akzeptanz bei den Menschen im Quartier zu erhöhen.

Wer selbst aktiv werden und ein Gartenprojekt oder anderweitiges Pflanzvorhaben im öffentlichen Raum starten möchte, wird vom Grünflächenamt im Rahmen unserer personellen und finanziellen Möglichkeiten beraten und unterstützt.

Frankfurt gärtnert: Welche Kriterien entscheiden darüber, ob ein Gartenprojekt im öffentlichen Raum genehmigt wird?

Heldmann: Grundsätzlich sind wir für jede Anfrage offen und prüfen diese auf Umsetzbarkeit. Stark frequentierte Grünflächen oder speziell bepflanzte Anlagen, die einer professionellen gärtnerischen Pflege bedürfen, scheiden von vornherein aus, denn wir haben verschiedene Aspekte wie Nutzungsdruck, Denkmalschutz oder auch Sicherheitsfragen abzuwägen. Der spezielle Charme vieler Urban Gardening-Projekte liegt doch gerade darin, dass durch alternative Pflanzkonzepte auch Orte belebt werden, die zunächst nicht unbedingt zum Gärtnern einladen. Der kreative Blick auf Plätze, Grünstreifen, Dächer und Fassaden bietet noch viel Potenzial für ein noch grüneres und blühendes Frankfurt. Wir alle – Behörden, Institutionen, Unternehmen, Vereine sowie die Bürgerinnen und Bürger – können dazu beitragen, dieses Potenzial zur Entfaltung zu bringen.

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1 Kommentar zu “Viele Daumen begrünen die Stadt

  1. Josefine

    Das Ernst-May-Viertel ist ein echtes Biotop. Der Fussweg zum Bornheimer Friedhof ein Vergnügen.

    Hoffentlich bleibt das auch so….

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