Allgemein Gemeinschaftsgärten

Ein Schulgarten der besonderen Art

Ernst-Reuter-Schule

Der Schulgarten der Ernst-Reuter-Schule zählt zu den eindrucksvollsten in Frankfurt. Auf den rund 20.000 Quadratmetern Grünfläche, die zum Schulgelände gehören, findet man zahlreiche Blühstreifen, Hochbeete und sogar einen Gartenteich. Doch auch Bienen- und Hühnerhaltung lernen die Schüler im Rahmen des naturnahen Bildungskonzepts der Gesamtschule.

Biolehrer Frank Stahl leitet die Garten AG der Ernst-Reuter-Schule.

Die Ernst-Reuter-Schule hat eine bewegte Geschichte. 1963 als eine der ersten integrierten Gesamtschulen in Hessen mit knapp 100 Schülern gegründet, wuchs die Schülerzahl in den Folgejahren rasant. 1968 hatte die Nordweststadtschule, wie sie anfangs hieß, bereits 2.000 Schüler und wurde nach dem früheren Berliner Oberbürgermeister umbenannt. Als deren Zahl 1972 fast 3.000 erreichte, entstand die Ernst-Reuter-Schule II. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren waren die beiden Schulen als Modell- und Experimentalschulen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und umstritten, denn dort manifestierten sich die Umbrüche und Konflikte der Zeit. So wollte die „kollegiale Schulleitung“, die von den Lehrern gewählt wurde, mit Bildung die Gesellschaft nachhaltig verändern.

Beim Besuch der historischen Gesamtschule, die mit ihren eckigen Betonbauten, etwas in die Jahre gekommen wirkt, kann man den freien Geist spüren, der hier immer noch weht. Am Haupteingang treffe ich mich mit Biolehrer Frank Stahl. Er leitet die Garten AG, die es bereits seit 20 Jahren gibt. „Uns ist es vor allem wichtig, die Kinder mit der Natur in Kontakt zu bringen“, sagt er, „denn, was die Kinder nicht kennen, können sie auch nicht schützen.“

Forschen im grünen Klassenzimmer

Für viel Aufregung sorgt ein Molch, den die Schülerinnen im Schulteich gefunden haben.

Wir gehen vorbei an zahlreichen Blühstreifen und Insektenweiden. Auf dem eigentlichen Gartengelände entdecke ich einen kleinen Teich, ein altes Gewächshaus und große Hochbeete. „Den Teich gestalten wir derzeit neu“, erläutert Stahl. „Wir wollen dort unter anderem eine Solarpumpe einbauen.“ Auch zwei sogenannte Kotas – Hütten in achteckiger Form – seien geplant, zum Feiern und arbeiten. Aufgeregt zeigen mir seine Schülerinnen und Schüler einige Molche, die sie aus dem Wasser geholt haben und in der Hand halten. Daneben gäbe es Frösche und Krebsscheren, eine Wasserpflanze, in dem sumpfigen Nass zu entdecken, verraten sie mir. Auch ein grünes Klassenzimmer mit Tischen und Bänken entdecke ich auf dem weiträumigen Gelände. „Gleich nebenan haben unsere Behinderten das Gewächshaus aufgebaut, das sie auf dem Sperrmüll fanden“, sagt Stahl nicht ohne Stolz. „Manches sieht improvisiert aus, aber wir können alles selbst gestalten wie wir wollen. Das ist ideal!“ Zirka 20 Schüler seien im Rahmen der Wahlpflichtkurse „Garten- und Landschaftsbau“ permanent im Gärtnereinsatz. Das ist selbst für eine so große Schule viel.

Vielfältige finanzielle Unterstützung

Der Gemüseanbau findet vor allem in Hochbbeten statt.

Um die zahlreichen Projekte, zu denen auch Imkern und Hühnerhaltung gehören, überhaupt realisieren zu können, ist Stahl auf finanzielle Unterstützung angewiesen. So erhält die Schule vom Grünflächenamt Geld. Im Gegenzug übernehmen seine Schützlinge die Pflege der Grünflächen. „Das machen hauptsächlich Schüler mit Handicap, die nur schwer eine Ausbildung kriegen“, sagt er. „Von den Zahlungen kaufen wir unter anderem Gartengeräte.“ Seit rund eineinhalb Jahren gibt es auch eine Kooperation mit dem Ausbildungsbetrieb des Grünflächenamtes. Dabei besuchen Schüler die Lehrbaustelle des Amtes im Riederwald und Azubis unterstützen sie bei den Gartenarbeiten auf dem Schulgelände. Wie ich erfahre, kommt zudem Geld vom städtischen Verein Umweltlernen, der Frankfurter Schulen aktiv bei der Entwicklung von Schulgärten unterstützt. Doch es gibt auch private Sponsoren, die Stahl zum großen Teil selbst generiert hat. „Der Brillenhersteller Fielmann hat unsere Blühstreifen finanziert und auch der Nassauische Zentralstudienfonds unterstützt uns“, verdeutlicht er. „Dennoch: Es ist viel ehrenamtlicher Einsatz notwendig, um alle Projekte am Leben zu halten.“ Wir drücken ihm dafür gerne die (grünen) Daumen.

Auch um die Hühnerhaltung kümmern sich die Schüler hingebungsvoll.

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