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Ein Bienengarten im Hauptfriedhof

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist im Frankfurter Hauptfriedhof ein ökologischer Mustergarten entstanden. Totholzhecken, Steinpyramiden und eine bunte Pflanzenpracht locken nicht nur viele Bienenarten an, sondern auch Igel, Eidechse und Zaunkönig. Auch für die Besucherinnen und Besucher bietet der Garten schöne Plätze, die zum Verweilen einladen.

Jörg Keutz ist Vorarbeiter beim Grünflächenamt und einer von sechs Gärtnerinnen und Gärtnern, die gemeinsam vor sechs Jahren das kleine Bienenparadies geschaffen haben. „Wir wollten einen naturnahen Garten gestalten und etwas gegen das Insektensterben tun“, beschreibt er das Anliegen der Arbeitsgruppe. Zudem gab es die Aufgabe, die Fläche im nordöstlichen Bereich des Friedhofs neu zu gestalten. Doch warum gerade dort? „Langfristig werden im nordöstlichen Teil des Hauptfriedhofes keine weiteren Beisetzungen stattfinden und das Gelände soll parkähnlich entwickelt werden“, verrät der gelernte Landschaftsgärtner. „Früher befanden sich hier Reihengräber, doch da es immer mehr Urnenbegräbnisse gibt, sind neue Freiflächen entstanden, aus denen wir etwas machen müssen.“ Da sei der Bienengarten eine schöne Lösung gewesen.

Spezielle Angebote für Wildbienen

Angestoßen wurde das Gartenprojekt von Beate Steckenreiter, einer Kollegin von Keutz. Sie kennt sich bestens mit Wildbienen und den regionalen Pflanzen aus, die diese als Nahrung brauchen. Entsprechend wurden unter anderem Zaunrüben für die hochspezialisierte Zaunrüben-Sandbiene gepflanzt und der Natternkopf, der nicht nur die Natternkopf-Mauerbiene, sondern auch viele andere Insekten den ganzen Sommer mit Nektar versorgt. Auch ein Insektenhotel gibt es, in dem die Wildbienen nisten können. Daneben entdecken wir eine Wiese, welche Nahrung für die bunten Schmetterlinge bietet. Inzwischen hat auch ein Imker seine Beuten in dem Friedhofsgarten aufgestellt. Damit Honigbiene und Mensch nicht aneinandergeraten, wurde der Bereich eingezäunt.

Rückzugsraum für zahlreiche Tierarten

Auch für viele andere Tiere ist der Garten ein Zuhause geworden. Die Voraussetzung dafür haben die fleißigen Friedhofsgärtnerinnen und -gärtner geschaffen. So fallen im Eingangsbereich zahlreiche Totholzhecken auf, die mal als Zäune, mal als bunt gestapelte Holzscheite und -scheiben gestaltet sind. Sie bieten Igeln und anderen Kleintieren wie der Blindschleiche Unterschlupf. „Sogar ein Fuchs war letztes Jahr im Totholz“, freut sich Keutz. Versteckt zwischen bunten Herbstastern gibt es ein „Sandarium“ und Steinhaufen, die Eidechsen und Kröten zum Überwintern einladen. Außerdem wurde eine kleine Wasserstelle für Amphibien geschaffen, denn auf dem Gelände tummeln sich auch Kröten und Molche.

Erholung für den Menschen

Eigentlich, sagt Keutz, sei der Garten gar nicht geplant gewesen, sondern einfach sukzessive entstanden, denn das Gärtnerteam könne sich nur hin und wieder um ihn kümmern. Doch gerade das ist vielleicht ein Grund für seinen besonderen Charme, denn die Anordnung der Blumenbeete wirkt natürlich und organisch gewachsen. Fakt ist, dass die Besucherzahl stetig wächst. „Seit der Corona-Pandemie ist hier vor allem an den Wochenenden einiges los. Dann bringen viele ihre Decken mit, vor allem Familien“, sagt Keutz. Für die wachsende Besucherzahl wurden zusätzlich Bänke aufgestellt, die gerne genutzt werden. Keutz: „Viele Bürgerinnen und Bürger kommen mit Fragen auf mich zu, denn sie wollen selbst zuhause aktiv werden und zum Beispiel Tränken bauen oder bienenfreundliche Stauden pflanzen.“

Inzwischen zeigen andere Friedhöfe wie der in Westhausen Interesse an dem Bienengarten im Hauptfriedhof, denn auch bei ihnen gibt es immer mehr Freiflächen. „Nicht zuletzt geht es darum, den Friedhof interessanter zu gestalten, damit mehr Menschen herkommen und sagen: Hier möchte ich einmal beerdigt werden“, ergänzt Keutz.

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