Urbanes Gärtnern

Ein Aktionstag im Bockenheimer Garten

Seit Herbst letzten Jahres wird auf dem Kirchplatz in Bockenheim Urban Gardening betrieben. Ungewöhnlich an dem Projekt ist nicht nur, dass es von einer Stiftung initiiert wurde, sondern auch die bunte Mischung an urbanen Gärtnern, die es betreuen. So gehören neben Anwohnern u.a. auch Vertreter der St. Jakobskirche, aber auch Bänker, Wissenschaftler und Stiftungsmitarbeiter zum Team. Am vergangen Samstag kamen sie zu einem gemeinsamen Aktionstag zusammen.

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Die sechseckigen Pflanzkübel sind das Erkennungszeichen des Bockenheimer Gartens.

Entstanden war der Bockenheimer Garten am Kirchplatz aus einem Forschungsprojekt der Frankfurter Goethe-Universität heraus, die von der Stiftungsprofessur für Interdisziplinäre Alternswissenschaften der BHF-BANK-Stiftung durchgeführt wurde. Förderer sind neben der Stiftung und der BHF-Bank u.a. auch das Grünflächenamt sowie der Verein R.V. Kleingärtner, der wie wir an diesem sonnigen Samstag-Vormittag erfahren, das gärtnerische Know-how in das Projekt einbringt. Gegärtnert wird in großen Pflanzkübeln, die in der Nähe des Cafés aufgestellt wurden. „Die alten Kübel, die hier einmal standen, sind bereits entsorgt und durch neue ersetzt worden“, verrät uns Oliver Lang, Vorstandsvorsitzender des Vereins. „Auch die speziellen Seniorenbänke, die hier seit neuestem stehen, wurden im Rahmen des Projekts aufgestellt. In naher Zukunft soll noch das Café auf dem Kirchplatz mit Gabionen eingerahmt werden.”

Eine bunte Truppe

An diesem Samstag geht es vor allem darum, die Pflanzkübel neu zu bestücken. Doch es ist sehr heiß, daher stehen einige der urbanen Gärtner, die man leicht an ihren blauen BHF-BANK-T-Shirts erkennt, erst einmal lieber unter dem offenen Infozelt, das eigens für den Aktionstag aufgebaut worden war. Wie wir erfahren, gehören zum harten Kern des Urban-Gardening-Teams etwa sieben Personen. Sie übernehmen die Kommunikation mit den Ämtern, kümmern sich um die internen Besprechungen und halten das Projekt am Leben. Auch den Aktionstag haben sie organisiert. Die Gruppe trifft sich regelmäßig alle zwei Wochen, um sich auszutauschen und die Planung voranzutreiben. Es gibt viel zu tun, denn bei vielen Aktionen müssen zunächst das Grünflächenamt, Straßenamt oder die St. Jacobskirche informiert werden, und auch die basisdemokratischen Entscheidungswege sind oft mühsam, wie wir erfahren. Inzwischen sind auch einige Bänker von der BHF-Bank Teil des Projekts. Sie fügen dem ohnehin schon buntgewürfelten Team noch eine weitere Nuance hinzu.

Platz für Jung und Alt

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Beim Gärtnern auf dem Kirchplatz sind vor allem die Senioren willkommen.

Beim Begutachten der Pflanzkübel entdecken wir Simone Oppelt vom Grünflächenamt. Wie sie uns verrät, schaut sie auch außerhalb ihres Jobs gerne auf dem Kirchplatz vorbei, um zu sehen, wie alles wächst und gedeiht. Mit Sigrid Scherer, der für das Projekt zuständigen Ansprechpartnerin bei der BHF-BANK-Stiftung unterhalten wir uns dann über die weiteren Pläne für den Kirchplatz. „Ich finde es bemerkenswert, dass durch den Impuls aus einem Forschungsprojekt ein so lebendiges Projekt entstanden ist“, sagt sie. „Wir hoffen, dass der Bockenheimer Garten ein Ort wird, an dem sich die Generationen treffen und einfach zusammen gärtnern.“

Während wir noch mit ihr und Oliver Lang sprechen, kommt ein Anwohner vorbei und drängt sich in das Gespräch. Er beschwert sich über die Kübel, die ihm nicht gefallen, und über „so viel Aktivität auf dem Platz“. Geduldig reden Scherer und Lang mit dem aufgebrachten Bürger. In den Dialog mit Anwohnern zu treten, gehört eben auch zum Urban Gardening. Und eine weitere Erkenntnis haben wir an diesem Samstag-Vormittag gewonnen: Man kann es nicht allen Recht machen.

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