Stadtgrün

Auch Wildwiesen brauchen Pflege

Rund 400 Hektar Wildwiesen gibt es mittlerweile in Frankfurt. Sie sind wichtig für die Artenvielfalt in der Stadt. Jetzt im Juni werden die Wiesen gemäht, denn die Samen sind ausgereift und die Insektenlarven geschlüpft. Doch was passiert eigentlich mit dem vielen Heu?

Die Vernichtung der Artenvielfalt, insbesondere von Insekten wie Bienen und Hummeln, war eines der vieldiskutierten Themen – bis die Corona-Krise kam und alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Bereits vor vielen Jahren hat das Grünflächenamt Frankfurt angefangen, Wildwiesen anzulegen. Seitdem summt und brummt es immer mehr in den Parkanlagen und auf sogenannten Straßenbegleitfächen – also überall dort, wo früher grüne Einöde herrschte. „Rasen in Wiese umzuwandeln heißt nicht einfach nur, das Gras wachsen zu lassen. Man muss genau hinschauen“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Wichtig sei zu wissen, ob sich die Saat bereits ausgesät hat und die Blühphase vorbei sei. Auch die Bodenbeschaffenheit hat einen Einfluss darauf, welche Pflanzen auf der Wiese wachsen. Entsprechend unterschiedlich ist der Zeitpunkt für die Mahd. „Ein typisches Anzeichen für fette, nähstoffreiche Böden sind Wiesen, auf denen viel Klee und Brennnessel wächst“, nennt Biologin Heilig ein Beispiel.

Verzehnfachung der Artenvielfalt

Eine der Grünanlagen, in denen derzeit Wildwiesen gedeihen, ist der 4,6 Hektar große Sinaipark im Stadtteil Dornbusch. Er bietet sowohl wilde Natur, als auch Liege- und Spielwiesen. Eine Bürgerinitiative, die sich dort bereits seit 23 Jahren engagiert, hatte die Stadt dazu angeregt, das Gras auf den Grünflächen wachsen zu lassen. „Vor ein paar Jahren wurden wir von den Bürgerinnen und Bürgern noch dafür kritisiert, wenn wir die Wiesen einfach haben stehen lassen“, sagt Simone Jacob, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamtes. Doch der Zeitgeist habe sich gewandelt. „Heute werden wir eher kritisiert, wenn wir die Wiesen mähen“, schmunzelt sie.

Engagieren sich für Frankfurter Wildwiesen (v. l.): John Dippel, Simone Jacob und Rosemarie Heilig.

Traditionelle Mahdzeiten sind im Juni und im Spätsommer. Dadurch können sich die Wildwiesen im Frühjahr zu artenreichen Biotopen entwickeln. Wie stark die Artenvielfalt durch die Schaffung von Wildwiesen zunehmen kann, wird an einigen Straßenbegleitflächen in der Nähe von Schwanheim deutlich, die die Stadt seit mehreren Jahren genau beobachtet. „Wir konnten feststellen, dass bei Rasenflächen, die zu Anfang zehn Arten aufwiesen, zum Schluss bis zu 120 Arten da waren“, verdeutlicht Bernd Roser, Leiter der Abteilung Grünflächenunterhaltung, die positive Entwicklung. Doch es sei auch wichtig, die Wiesen zu mähen, denn sonst würden diese „umfallen“, also verfaulen oder sie verbuschen mit der Zeit.

Mähen fördert die Artenvielfalt

Um den optimalen Mahdzeitpunkt zu bestimmen, lässt das Grünflächenamt die Wildwiesen im Stadtgebiet von Experten wie John Dippell vom BUND Frankfurt beobachten. Für ihn fördert Mähen die Artenvielfalt mehr, als wenn man die Wiese einfach stehen lässt. Wichtig sei allerdings, dass ein Teil der Pflanzen als Nahrung und Unterschlupf für die Insekten belassen wird. „Die gesamte Wiese auf einen Schlag zu mähen, ist für die Insektenwelt ein Gau“, weiß Dippell. Allein im Niddapark, der mit 168 Hektar größten Grünanlage in Frankfurt, lässt das Grünflächenamt zehn bis 15 Prozent der Wiese stehen. „Das ist für uns erheblich aufwändiger, als einfach nur mit dem Großflächenmäher über die Wiese zu fahren“, verdeutlicht Jacob. Und was passiert mit dem vielen Heu? Das wird im Idealfall von den wenigen Bauern, die es noch im Stadtgebiet gibt, an das eigene Vieh verfüttert. Dafür mähen diese teilweise auf eigene Kosten die städtischen Rasenflächen – also eine echte Win-Win-Situation für beide Seiten.

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