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Solidarische Landwirtschaft trifft den Nerv

Es ist schon eine verrückte Welt, die Landwirten die Länge und Krümmung von Zucchinis und Gurken vorschreibt und sie regelmäßig dazu zwingt, qualitativ und geschmacklich einwandfreies Gemüse unterzupflügen. Die Solidarische Landwirtschaft stellt eine Alternative zu diesen Auswüchsen einer normierten Handelswelt dar. Grund genug, ein solches Modell auch in Frankfurt zu etablieren.

Zukunftsvision: Bio-Tomaten aus Solidarischer Landwirtschaft
Keine Selbstverständlichkeit: diese Tomaten aus dem ökologischen Gemüseanbau werden noch in Erde gezogen und nicht in Nährlösung. Bildquelle: oekolandbau.de

Eigentlich hätte die Frankfurter SoLaWi-Initiative gleich ein Dankesschreiben an Tim Mälzer aufsetzen müssen. Der Fernsehkoch hatte in seinem ‚Lebensmittel-Check – Wie gut ist unser Gemüse?‘ das Marktangebot auf den Prüfstand gestellt und war zu ernüchternden Ergebnissen gekommen. Denn die industrielle Erzeugung bevorzugt Züchtungen mit hoher Lager- und Transportfähigkeit. Und das geht in aller Regel zu Lasten des Geschmacks. Der zweite Grund: Deutsche Verbraucher schauen beim Einkauf von Lebensmitteln vor allem auf den Preis, entsprechend kommen die besseren Produkte – so die Aussage eines Großmarkthändlers – garnicht erst auf den deutschen Markt. Auf der Suche nach Alternativen zu diesem von rein kommerziellen Interessen getriebenen System stellte Mälzer in seiner Sendung die GartenCoop Freiburg vor, die seit 2009 bereits ihr Modell einer Solidarischen Landwirtschaft mit mittlerweile rund 300 Abnehmern praktiziert – und traf damit den Nerv vieler Zuschauer.

SoLaWi setzt auf partnerschaftliche Zusammenarbeit

Selbsterntegärten auf Hof Buchwald
Zwischenlösung auf dem Weg zur SoLaWi: die Nutzung mehrerer Saisongartenparzellen auf Hof Buchwald

„Wir hatten direkt nach der Sendung eine ganze Reihe von Anfragen aus der Region“, erzählt Doris Spohr, die mit einer Gruppe von Aktiven eine Solidarische Landwirtschaft in Frankfurt aufbauen möchte. Seit die Initiative vor gut einem Jahr gestartet ist, hat sich einiges getan: Ein Kern von Mitgliedern hat sich zusammengefunden und Kontakte zu Landwirten aus der Region geknüpft. Parallel wurde das Modell der Solidarischen Landwirtschaft auf verschiedenen Veranstaltungen vorgestellt, denn nicht jedem Interessenten ist sofort klar, wie eine solche Kooperation zwischen Landwirt und Verbraucher eigentlich funktioniert. Spohr: „Es geht uns nicht nur darum, gesundes Gemüse aus der Region zu beziehen, sondern auch um eine langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Höfen.“

Zum Saisonstart 2015 soll es richtig losgehen

SoLaWi-Stammtisch Frankfurt
Idealer Anknüpfungspunkt für Interessierte: der regelmäßig stattfindende SoLaWi-Stammtisch der Frankfurter Initiative

Das klingt einfacher umzusetzen, als es ist: Tatsächlich ist heute die Mehrzahl aller Höfe in ihrem Anbau hoch spezialisiert, so dass es nicht ohne weiteres möglich ist, eine Verbrauchergemeinschaft mit einem abwechslungsreichen Angebot an Obst und Gemüse in Bio-Qualität zu beliefern. Es braucht daher auch den Mut eines Erzeugers, das Experiment zur direkten Zusammenarbeit mit den Verbrauchern zu wagen. Die Frankfurter SoLaWi-Initiative hat die Saison 2014 daher intensiv genutzt, um den Pool möglicher Abnehmer zu erweitern und das Projekt damit auch wirtschaftlich attraktiv und tragfähig zu machen. Der Popularitätsschub durch das Fernsehen kam da gerade recht. „Bis zum Saisonanfang 2015 haben wir nun Zeit, unsere Vorstellungen zu konkretisieren und mit den potenziellen Partnern auf Erzeugerseite die Möglichkeiten zu besprechen“, beschreibt Spohr die nächsten Schritte. Wer sich der Gruppe gerne anschließen möchte oder erst einmal über das Thema informieren möchte: Interessierte sind jederzeit willkommen. Kontaktaufnahme über info@solawi-frankfurt-main.de

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4 Kommentare zu “Solidarische Landwirtschaft trifft den Nerv

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