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Die Kooperative holt Bio-Landwirtschaft in die Stadt

Silas Müller und Christoph Graul sind die Gründer der Kooperative

Silas Müller (l.) und Christoph Graul (r.) haben Anfang des Jahres gemeinsam „Die Kooperative“ gegründet. Unter diesem Namen wollen sie Bio-Erzeugnisse aus Stadt und Region über ein eigenes Verteilnetz direkt zu den Frankfurter Verbrauchern bringen. Bis zum Herbst soll aus dem Start-up eine Genossenschaft werden.

Graul und Müller haben zurzeit alle Hände voll zu tun: Die Kooperative organisatorisch zum Laufen zu bringen und sich gleichzeitig um den Gemüseanbau auf den selbst bewirtschafteten Flächen in Oberrad und Steinbach zu kümmern, fordert von beiden mehr als einen Acht-Stunden-Tag. Dennoch nehmen sie sich bei meinem Besuch Anfang Juni in Oberrad gerne die Zeit, beim gemeinsamen Pflanzen mit den Mitgliedern der Kooperative ihre Idee von der Erzeugung und Direktvermarktung regionaler Bio-Lebensmittel vorzustellen. Graul und Müller wissen, was sie sich da vorgenommen haben. Die beiden haben Gartenbau beziehungsweise Ökolandbau studiert, mehrere Jahre Praxiserfahrung gesammelt und zuletzt in der Zertifizierung von Bio-Betrieben gearbeitet.

Die Kooperative in ihrem Gewächshaus in Frankfurt-Oberrad
Kooperative-Gewächshaus in Frankfurt-Oberrad: Hier werden Kohlrabi, Fenchel und andere Gemüsesorten in Bio-Qualität gezogen.

Auf direktem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher

„Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz hinsichtlich der Herkunft ihrer Lebensmittel, doch im klassischen Handel ist das kaum umsetzbar“, erklärt Graul auf meine Frage, warum sie sich für den Weg der Direktvermarktung und das Modell einer Genossenschaft entschieden haben. Ein weiterer Vorteil ist die größere Flexibilität: Als Biobetrieb mit traditionellem Vertriebsweg müssten sie sich auf bestimmte Produkte spezialisieren. Doch sie möchten ihren Mitgliedern die ganze Vielfalt an Bio-Erzeugnissen bieten – neben Gemüse, Obst, Eiern und Honig sollen künftig auch Brot, Milch und Käse, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung sowie Säfte, Bier und Wein die Auswahl erweitern. „Nicht alles wird aus eigenem Anbau und eigener Haltung der Kooperative kommen, daher ist die Vernetzung mit anderen regionalen Biobetrieben ein wichtiger Teil unseres Konzepts“, unterstreicht Müller. Die Mitglieder erhalten einen wöchentlichen Ernteanteil, der individuell zusammengestellt und an so genannte Verteilpunkte im Stadtgebiet ausgeliefert wird. Ein Dutzend solcher Verteilpunkte gibt es bereits. Und es kommen ständig neue Standorte dazu. „Perspektivisch sind in Stadtteilen mit großer Nachfrage auch Quartiersläden geplant, in denen dann auch Nicht-Mitglieder einkaufen können. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Wir wollen unser Projekt langsam und organisch mit unseren Mitgliedern und Netzwerkpartnern entwickeln“, betont Müller.

Beim gemeinsamen Pflanzen, Essen und Trinken gibt es viele Gelegenheiten zum Austausch mit den Gründern und Mitgliedern der Kooperative.

Bewusst Zeiten für Austausch und Miteinander reserviert

Sehr wichtig ist den Kooperative-Gründern der direkte Kontakt mit den Abnehmern der von ihnen und den Partnerbetrieben erzeugten Lebensmittel. Das fünf Hektar große Gelände in Oberrad, auf dem sie selbst Gemüse ziehen, ist ihr Standbein in der Stadt. Das zweite Standbein verbindet die Kooperative mit der Region: Im Mai haben sie den Quellenhof in Steinbach (Taunus) mit rund 15 Hektar Anbaufläche übernommen, der – ganz im Sinne seines Vorbesitzers – als Ökolandbau mit eigenem Hofladen weitergeführt wird. An beiden Standorten bietet die Kooperative interessierten Besuchern regelmäßig die Gelegenheit, den Betrieb kennenzulernen, selbst zu Harke und Gießkanne zu greifen oder sich mit den Bio-Landwirten und anderen Kooperative-Mitgliedern auszutauschen. „Mit Führungen, Workshops, Pflanz- und Erntefesten schaffen wir bewusst ein Gegengewicht zu den oft eng getakteten Arbeitsabläufen, ohne die ein solcher Betrieb nicht funktionieren würde. Damit möchten wir etwas zurückgeben an die Menschen aus der Region, gleichzeitig beziehen wir aus diesem Austausch viele wertvolle Anregungen und die Motivation, unsere Vision lebendig werden zu lassen“, so Graul.

Und was sagen die Mitglieder? Ich unterhalte mich bei meinem Besuch in Oberrad angeregt mit Christine, die mit ihrem Mann zum Pflanzfest gekommen ist und gerade ihre erste Gemüselieferung erhalten hat. Sie hat sich häufig über die unnötig langen Lieferwege und den Plastikmüll geärgert, der beim Kauf von Obst und Gemüse selbst auf dem Wochenmarkt entsteht. Mit der Kooperative-Mitgliedschaft möchte das Paar bewusst den Aufbau einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung in der Region unterstützen. Graul und Müller wird das freuen – sie bauen mit ihrem jungen Unternehmen darauf, dass es möglichst viele Frankfurterinnen und Frankfurter gibt, die ebenfalls Teilhaber an Bio-Produkten aus regionaler Erzeugung werden wollen.

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