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Die Sehnsucht nach dem Erzeuger – fünf Schlaglichter zur BUND Podiumsdiskussion “Besser essen in Frankfurt”

Wer möchte nicht gern schmackhaftes Obst und Gemüse sowie tierische Produkte von Bio-Betrieben aus der Region beziehen. Ob Bio vom Erzeuger für eine Stadt wie Frankfurt immer Utopie bleibt, dieser Frage ging am Samstag der BUND Frankfurt mit seinen Gästen nach. Es wurde angeregt diskutiert, welche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Nahrungsmittelversorgung der Stadt gegeben sein müssten und was das gute Essen eigentlich kennzeichnet, das wir uns alle wünschen. Für die, die nicht dabei sein konnten, fassen wir die Diskussion in fünf Schlaglichtern zusammen:

Frankfurt kann sich nicht selbst ernähren

Auch wenn die Stadt sofort sämtliche Bauvorhaben einfrieren und den Begriff der Regionalität sehr weit fassen würde, sie könnte ihre gut 700.000 Einwohner nicht ernähren, nicht mit konventionellen und schon garnicht mit Bioprodukten. Sogar bei Bio-Einstiegsprodukten wie Möhren und Äpfeln, die hier gut wachsen, liegt die Import-Quote bei rund 50 Prozent. Sollte man die Vision einer nachhaltigeren Selbstversorgung für Frankfurt also gleich wieder begraben? Nein, waren sich die Teilnehmer einig, denn auch wenn niemals 100 Prozent erreicht werden können, ist das Potenzial von landwirtschaftlichen Flächen, aber auch Gärten im Stadtgebiet noch längst nicht ausgeschöpft.

Der BUND Frankfurt diskutierte über Bioprodukte aus der RegionAnregende Gesprächsrunde: Der BUND Frankfurt hatte zur Diskussion “Besser essen in Frankfurt” eingeladen. Es sprachen Reinhard Nagel (ABL e.V.), Doris Spohr (SoLaWi Frankfurt), Thekla Theresia Kulik (MainÄppelHaus), Dr. Manon Haccius (Alnatura), Lars Oliver Schubert (Phönix/MIBUSA), Thomas Zebunke (Öko-Agrarexperte), Bettina-Klara Buggle (Slow Food), Jörg Weber (Bürger AG),  Christian Bourgeois (Bienenretter) und Axel Wirz (FiBL).

Jeder Einkauf ist ein Statement

Wir Deutschen haben ja leider den Ruf, dass für uns in erster Linie der Preis eines Nahrungsmittels kaufentscheidend ist. Dabei muss jedem klar sein, dass gute Produkte und nachhaltige Herstellungsprozesse ihren Preis haben. Wir bestimmen mit unserem Einkauf, welche Betriebe sich am Markt halten, denn wer das Geld hat, nimmt bewusst oder unbewusst Einfluss. Das machen sich im positiven Sinn Projekte wie die Bürger AG und die Solidarische Landwirtschaft zunutze, die über Kapitalbeteiligungen oder Genossenschaftliches Handeln den ökologischen Landbau fördern wollen. Aber auch jeder Einzelne gibt mit seinem Kauf ein Statement ab.

Obst und Gemüse ziehen den Kürzeren

Idylische Hofeinfahrt Bioland-BetriebObwohl die Nachfrage nach Biolebensmitteln jährlich im Schnitt um 7 Prozent steigt, geben immer mehr Landwirte auf. Ein Grund ist der Hunger der wachsenden Stadt nach Bauland, der die Grundstückspreise in die Höhe treibt und Landwirte verkaufen lässt bzw. die Preise für Pachtland in die Höhe treibt. Ein zweiter Faktor, der den Markt verzerrt, ist der ungleich lukrativere Anbau von Agrokraftstoffen. Biobetrieben bleibt nichts anderes übrig, als weiter hinauszuziehen – schlecht für die Frankfurter Bürger, die von einem Besuch im Hofladen oder der Mithilfe beim Ernten träumen. Hier wäre die Politik gefordert, entsprechende Anreize zur Förderung eines ökologischen Landbaus zu setzen.

Regional ist nicht das neue Bio

Unter ökologischen Gesichtspunkten sind kurze Entfernungen zwischen Erzeuger, Verarbeitungsbetrieb, Handel und Käufer natürlich sinnvoll. Über die Qualität der Produkte und den ökologischen Fußabdruck sagt das aber noch nichts aus. Überhaupt ist der Begriff der Regionalität trügerisch, darin waren sich die Diskussions-Teilnehmer einig. Für mich einleuchtend: Hinter der steigenden Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen steht nicht zuletzt die Sehnsucht, genauer zu wissen, wo und unter welchen Bedingungen die Möhre, das Ei oder das Getreide produziert werden. Ein weiterer schöner Satz aus der Diskussionsrunde: Die Schwester von regional ist saisonal. Denn es bringt wenig regionale Produkte zu kaufen, wenn diese unter immensem Energieaufwand außerhalb ihrer natürlichen Saison produziert oder gelagert werden.

Bewusstsein bereitet den Wandel

Einkauf direkt beim Erzeuger, für viele Frankfurter ein Wunsch.Die abschließende Bestandsaufnahme an Frankfurter Initiativen und Akteuren, die sich für eine hochwertige und nachhaltige Versorgung mit Nahrungsmitteln engagieren, zeigt das große Potenzial für das Thema, umso mehr wenn sich diese vernetzen und so eine noch größere Öffentlichkeit erreichen. Ein schönes Beispiel hierfür ist das vom BUND Frankfurt initiierte und am Ende der Veranstaltung vorgestellte Projekt eines Bio-Restaurantführers, der an Bioqualität interessierten Verbrauchern künftig die Suche nach gutem Essen in der Stadt erleichtern soll, ganz nach dem Motto: Besser essen in Frankfurt.


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Auch ein verregneter Sonntag hat seine schönene Seiten. Gesehn bei der Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz.
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