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Kleingärten

150 Jahre Schrebergarten – ein Name und seine Geschichte

Heute werden die Begriffe Kleingarten und Schrebergarten häufig synonym verwendet. Ursprünglich stand hinter der Schrebergartenbewegung, die vor 150 Jahren in Leipzig ihren Anfang nahm, jedoch ein pädagogisches und gesundheitliches Konzept. Nach den Plänen des Orthopäden Moritz Schreber sollten vor allem Kinder durch die Bewegung an der frischen Luft zu einer besseren Körperhaltung finden.

DSCF3718Der erste, 1864 von einer Initiative um den Schuldirektor und Reformpädagogen Ernst Innozenz Hauschild gegründete Schreberverein legte zunächst keinen Garten, sondern einen Platz zum Spielen und Turnen für Kinder an. Man folgte damit den Empfehlungen des 1861 verstorbenen Orthopäden Daniel Gottlob Moritz Schreber, der von der Turn- und Naturheilbewegung inspiriert war und als Mittel gegen Haltungsschäden bei Kindern viel Bewegung an der frischen Luft verordnete. Bei der Suche nach einem Anreiz für die Kinder, um sich regelmäßig am Schreberplatz einzufinden, kam der Lehrer Heinrich Karl Gesell auf die Idee, rund um die quadratische Spielfläche kleine Blumen- und Gemüsebeete anzulegen. Die Beete sollten von den Kindern eigenverantwortlich bepflanzt und gepflegt werden. Der freie Platz im Zentrum stand für gemeinsame Gymnastikübungen, Spiele und Picknicks zur Verfügung – soweit die Theorie …

Vom Kinderbeet zum Schrebergarten

Wassermannlaube_Dt. Kleingartenmuseum 0713 (Large)

Mit dem Erfolg der Schrebergärten florierte auch die Nachfrage nach gemütlichen Gartenlauben – hier das Modell Wassermannlaube, das man heute im Leipziger Kleingärtnermuseum besichtigen kann.

In der Praxis, so ist es im Deutschen Kleingärtnermuseum in Leipzig nachzulesen, ließ das Interesse der Kinder an den Blumen- und Gemüsebeeten schnell nach. Um die Anlage nicht verwahrlosen zu lassen, griffen die Eltern zu Harke und Gießkanne und entdeckten ihre Leidenschaft fürs Gärtnern. Aus den offenen Beeten entstanden umzäunte Parzellen mit gemütlichen Lauben, als grünem Rückzugsort für die ganze Familie. Der Leipziger Schreberplatz entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zur Schrebergarten-Kolonie mit mehr als 100 Gärten. Gut zwanzig Jahre später gab es allein in Leipzig bereits 14 Schrebervereine und das Erfolgskonzept wurde von vielen anderen Städten kopiert bzw. überschnitt sich mit ähnlich gelagerten Bewegungen wie beispielsweise der der Arbeiter- oder Armengärten. Der Name Schrebergarten hat sich so bis heute erhalten – diesen Sommer feiert die Bewegung ihr 150-jähriges Bestehen.

 


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Auch ein verregneter Sonntag hat seine schönene Seiten. Gesehn bei der Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz.
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