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Gartenszene

Städte im Wandel

Die 2006 in England gegründete Bewegung „Transition Town“ macht sich weltweit in vielen Städten und Gemeinden stark für den Übergang in eine postfossile und lokal geprägte Wirtschaft. Allein in Deutschland gibt es inzwischen über 80 sogenannter Transition Town Initiativen. Wichtiger Bestandteil der neuen Bürgerbewegung ist auch das Thema Urban Gardening. Wir haben uns mit Vertretern der Transition Town Initiative Frankfurt getroffen, um mehr über ihre Ziele für einen Wandel in unserer Stadt zu erfahren.

Im Frühjahr sind wir erstmals mit Transition Town in Berührung gekommen, als wir uns in der Naxos-Halle den Dokumentarfilm Voices of Transition ansahen. In einem Interview erläutert Rob Hopkins, Permakulturdesigner und Mitinitiator, um was es ihm und seiner Bewegung geht: Ein neues Bewusstsein zu entwickeln und konkrete Antworten finden angesichts schwindender Rohstoffe und negativer ökologischer Auswirkungen durch die Globalisierung. Dem setzt Transition Town die Idee einer einfachen Lebensweise entgegen, bei der die lokale Wirtschaft sowie Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Selbstversorgung im Mittelpunkt stehen. Eine wichtige Rolle spielen auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, wie ein natürliches Ökosystem sich selbsterhaltend zu funktionieren. Erfolgreich erprobt wurden diese Ansätze u.a. bereits in dem kleinen Städtchen Totnes im Südwesten Englands, wo die Transition Town-Bewegung ihren Anfang nahm.

Transition Town Initiative Frankfurt

TT Sommerfest

Einige der Aktiven der Transition Town Initiative Frankfurt auf ihrem Sommerfest.

Der Grundgedanke eines gesellschaftlichen Wandels im Zuge knapper werdender Ressourcen und mangels Lösungen von Seiten der Politik hat uns natürlich neugierig gemacht und so trafen wir an einem regnerischen Abend Anfang November einen Teil des aktiven Teams der Transition Town Initiative Frankfurt in Bonames. Bei einer leckeren Gemüsesuppe erzählten uns Keiko Schmitt, Matthias Emde, Doris Spohr und Karen Schewina von ihren Projekten und Plänen für ein Frankfurt im Wandel. Rund 20 Aktive gehören zum engeren Kreis der Transition-Bewegung, weitere 100 Mitglieder sind passiv angeschlossen. „Transition Town Frankfurt gibt es seit 2011“, sagt Matthias. „Im ersten Jahr unseres Bestehens hat sich die Gruppe erst mal zusammenfinden müssen und Ideen für Projekte gesammelt. Ende letzten Jahres ging es dann richtig los.“ Wir erfuhren, dass die Initiative aus verschiedenen Arbeitsgruppen und einem Kernteam besteht, dessen Aufgabe die Organisation und Koordination von Veranstaltungen und Anfragen sowie die Repräsentation der Bewegung nach außen ist.

Arbeit in Projektgruppen

TT Kirchplatzgärtchen

Keiko Schmitt (li.) und Karen Schewina begutachten die Gabionen auf dem Ginnheimer Kirchplatz

Die Transition Town-Mitglieder treffen sich einmal im Monat, einzelne Projektgruppen je nach Thema auch öfter. Sie befassen sich mit Themen wie Solidarische Landwirtschaft, Innerer Wandel, Rettung der Bienen und natürlich auch Urban Gardening. „Über neue Projekte entscheiden wir gemeinsam“, sagt Karen. „Jeder kann sich einbringen und Vorschläge machen.“ Dass die Bewegung gerade in puncto Urban Gardening sehr aktiv ist, konnten wir in der Vergangenheit selbst mehrfach feststellen. So waren auf nahezu jeder Veranstaltung, die wir in diesem Zusammenhang besuchten, auch Vertreter der Transition-Bewegung zu finden. „Eines unserer Ziele ist die Vernetzung mit anderen aktiven Gruppen, wie zum Beispiel dem Kirchplatzgärtchen in Ginnheim“, ergänzt Keiko. „Daneben geht es uns aber auch um Themen wie Ökologisches Gärtnern, lokale Nahrungsmittelproduktion, Permakultur oder samenfestes, eigenes Saatgut zu gewinnen, also im Prinzip unsere lokale Resilienz, d.h. Widerstandsfähigkeit, gegen mögliche zukünftige Krisen zu stärken.“

Ziele und Wünsche der Transition-Bewegung

janjacob-matthias

Jan Jacob Hofmann interviewt Matthias Emde (li.) bei einer Veranstaltung des Ginnheimer Kirchplatzgärtchens.

Doch welches konkrete Ziel hat die Transition-Bewegung eigentlich? „Es geht uns vor allem darum, die Mitbürger zu sensibilisieren und dazu anzuregen, selbst etwas zu tun“, sagt Matthias. „Wir wollen aber auch, dass die Projekte den Menschen Spaß machen.“ Dabei sei es wichtig, kleine Schritte zu gehen und sich nicht von den vorhandenen Herausforderungen entmutigen zu lassen, so Doris. Dass dies angesichts der Größe einer Metropole wie Frankfurt auch nicht anders möglich ist, war indes allen klar. „In kleinen Städten ist es natürlich leichter, sich zu vernetzen“, weiß Keiko. „Auch Aktionen sprechen sich dort schneller herum. In einer großen Stadt ist die Unverbindlichkeit größer.“ Und noch etwas ist in Frankfurt anders, als in manch anderen Städten: „Uns geht es auch darum, etwas im öffentlichen Raum zu unternehmen“, sagt Karen. „Da wird in Frankfurt einfach noch zu wenig umgesetzt.“ Ein Grund seien die vielen Pendler, die keinen Bezug zu Frankfurt besäßen, da sie abends wieder die Stadt verließen.

Neu: der Transition Town-Stadtplan

Ein Schritt hin zu einer stärkeren Vernetzung der städtischen Akteure ist der interaktive Stadtplan der Transition Town-Initiative Frankfurt. Er gibt einen Überblick über aktuelle Urban Gardening-Standorte, Tauschringe und andere Initiativen, die sich am Wandel zu einer nachhaltigeren Stadt beteiligen. Wer möchte, kann übrigens selbst Projekte vorschlagen, die auf der Karte verzeichnet werden sollen. Und auch das eine oder andere von Transition Town initiierte Projekt wird in den nächsten Monaten hinzukommen. Wer jetzt selbst Lust hat, sich am Wandel in Frankfurt zu beteiligen, ist jederzeit herzlich willkommen. Auf der Website findet man zu jedem Thema einen Ansprechpartner und Termine für die nächsten Treffen der jeweiligen Arbeitsgruppe. „Eine gute Möglichkeit, uns kennenzulernen, ist der 5. Dezember“, sagt Doris. „Dann treffen wir uns, um über die Pläne für das kommende Jahr zu sprechen.“

TT Karte

Auf dem interaktiven Transition Town-Stadtplan sind Urban Gardening-Standorte, Tauschringe und andere Initiativen verzeichnet, die sich am Wandel zu einer nachhaltigeren Stadt beteiligen.



Diskussion

2 Antworten auf “Städte im Wandel”

  1. Was Ihr da macht, das gefaellt mir. Suche gerade einen Weg, wie in Pirna (Sachsen)und Dresden Urban Gardening angeschoben werden koennte. Das Hauptproblem ist, wo und wie finde ich Interessenten. Habt Ihr vielleicht brauchbare Vorschlaege?
    Gruesse von
    Reiner Rauch

    Von Reiner Rauch | 31. Januar 2014, 10:05
    • Hallo Rainer, es gibt viele Möglichkeiten, Urban Gardening Projekte anzuschieben, wie wir bei unserer Berichterstattung gelernt haben. Eine Möglichkeit wäre es natürlich, sich einfach mit den Leuten von Transsiton Town in Verbindung zu setzen. Sie haben schon in vielen Städten Urban Gardening-Projekte aufgezogen. Kontakt gibt es über die Website, die wir im Artikel verlinkt haben. Good luck und viele Grüße, Thomas

      Von Thomas | 31. Januar 2014, 11:08

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Auch ein verregneter Sonntag hat seine schönene Seiten. Gesehn bei der Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz.
Auch ein verregneter Sonntag hat seine schönene Seiten. Gesehn bei der Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz.