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Gemeinschaftsgärten

Gemeinsam Gärtnern bei Wind und Wetter

Das „Griesheimer Bahnhofsgärtchen“ ist ein weiteres schönes Beispiel für die Vielfalt an neuen Urban Gardening-Projekten in und um Frankfurt. Seit August verwandeln 25 Griesheimer Bürger das ehemals verwilderte Areal neben dem Stellwerk am Griesheimer S-Bahnhof sukzessive in einen blühenden Gemeinschaftsgarten. Am vergangenen Samstag gab es dort einen „Pflanztag“. Wir besuchten das bunte Gartenkollektiv, das sich auch vom regnerischen Novemberwetter nicht abschrecken ließ.

Volker Rapp

Volker Rapp vom Internationalen Bund ist einer der Initiatoren des Gemeinschaftsgartens.

Trotz direkter Nachbarschaft zur S-Bahn-Station war das nur durch ein Backsteinmäuerchen vom Bahnhof getrennte Griesheimer Bahnhofsgärtchen nicht gleich zu sehen. Doch beim näheren Hinsehen konnten wir rund ein Dutzend wetterfest gekleidete und mit Gartengeräten ausgestattete Hobbygärtner sowie einige quadratische Hochbeete ausmachen, die sich zwischen den zum Teil hohen Bäumen verteilten. „Anfang Mai, als wir das Projekt gestartet haben, war hier noch alles voller Brombeerhecken“, sagt Volker Rapp vom Internationalen Bund, einer der Initiatoren des Gemeinschaftsgartens. „Die mussten erst entfernt werden, bevor wir dann im Sommer loslegen konnten.“ Zusätzlich sei das Grundstück von Abfall verunreinigt gewesen, doch davon ist nichts mehr zu sehen. Jetzt kann man hinter dem Backsteinmäuerchen schön angelegte Beete entdecken, auch der beschädigte Jägerzaun am anderen Ende des Grundstücks wird repariert.

Viele Partner im Boot

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Ursula Schmidt vom Griesheimer Vereinsring bearbeitet ein Hochbeet.

Wie bei vielen Gemeinschaftsgärten in Frankfurt sind beim Griesheimer Bahnhofsgärtchen mehrere Partner im Boot. Ins Rollen gebracht wurde das Projekt vom Quartiersmanagement Griesheim im Rahmen des Programms „Aktive Nachbarschaft“. Beteiligt sind darüber hinaus das Jugendbildungswerk der Stadt Frankfurt und die Projektgruppe GrünGürtel. „Auch das Grünflächenamt unterstützt uns“, ergänzt Rapp. Ein weiterer wichtiger „Player“ ist die Deutsche Bahn, der das Grundstück gehört. „Die Verhandlungen mit der DB gestalteten sich zunächst als schwierig, da an den Stellen wichtige Kabel des Stellwerks verlaufen”, sagt Rapp. „Dort durfte nichts in die Erde gepflanzt werden. Zudem musste aus versicherungstechnischen Gründen erst ein Baum ausgedünnt werden, bevor wir mit den Gartenarbeiten losgelegen konnten.” Den Baumbeschnitt sowie das Entfernen der Brombeerhecken übernahm Gartenpfleger Jürgen Näher, der mit seinem Know-how den Hobbygärtnern von Anfang an zur Seite stand. Auch an diesem Nachmittag holen sie sich bei ihm Rat, sei es beim richtigen Anlegen des Komposthaufens oder dem jeweils besten Standort für die zahlreichen Pflanzen, die noch einzusetzen sind.

Generationsübergreifende Zusammenarbeit

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Julia Bartel (li.) und zwei weitere Bahnhofsgärtnerinnen beim gemeinsamen Einpflanzen.

Doch nicht nur der Gartenpfleger, auch einige der Bahnhofsgärtner verfügen über langjährige Gartenerfahrung und bringen sich entsprechend ein. So zum Beispiel eine ältere Dame, die gerade fleißig ein Hochbeet bearbeitet. „Ich wohne schon seit 50 Jahren hier“, sagt sie. „Es ist einfach schön, einmal andere Leute kennenzulernen. Unser jüngster Gärtner ist gerade mal 18, der älteste über 70.“ Die generationsübergreifende Zusammenarbeit macht auch den jüngeren Spaß, wie wir erfahren. So zum Beispiel Julia Bartel. Sie wohnt seit rund einem Jahr in Griesheim und war von Anfang bei dem Gartenprojekt dabei. „Man kann hier schnell Kontakte knüpfen und neue Leute kennenlernen“, freut sie sich. Unterstützung kommt aber auch außen. So wurden die Bahnhofsgärtner bereits von einem nahe gelegenen Restaurant zum Essen eingeladen. „Neulich kam einfach eine Frau, die wir gar nicht kannten, mit einem Körbchen voller Kekse vorbei“, sagt Bartel. Während wir uns auf dem Gelände weiter umschauen, bemerken wir immer wieder Zaungäste, die vom S-Bahnhof neugierig herüberschauen. Um Interesse bei den Griesheimer Bürgern zu wecken, scheint die Lage des Gärtchens ideal zu sein.

Jeder kann mitmachen

Jeden Donnerstag treffen sich die Bahnhofsgärtner im Nachbarschaftsbüro von Volker Rapp, um sich auszutauschen und die weitere Vorgehensweise zu besprechen. „Bei uns kann jeder mitmachen“, betont er. „Neben der Aufwertung des Bahnhofsgeländes geht es auch darum, die Menschen des Stadtteils zusammenzubringen.“ Dies ist ihm und den Griesheimer Bahnhofsgärtnern offensichtlich gelungen. Das nächste offizielle Treffen ist übrigens am 19. Dezember. Dann gibt es im Rahmen des Griesheimer Adventkalenders eine kleine Weihnachtsfeier mit Imbiss und Heißgetränken. „Wir wollen aber keine Winterpause machen“, sagt Rapp, „sondern auch während der kalten Jahreszeit das Bahnhofsgärtchen pflegen.“

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Frau Böhm ist eine langjährige Anwohnerin in Griesheim und besitzt viel Erfahrung im Gärtnern.


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Auch ein verregneter Sonntag hat seine schönene Seiten. Gesehn bei der Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz.
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