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Summ, summ!

Eine Ausstellung für Bienen

Die Künstlergruppe „finger“ ist in Frankfurt für ihre vielseitigen Aktivitäten rund um das Thema Bienen bekannt. Neben einer Stadtimkerei auf dem Museum für Moderne Kunst (MMK) betreiben die beiden Initiatoren Florian Haas und Andreas Wolf ein eigenes Museum für Bienen am alten Flugplatz in Bonames. Am vergangenen Wochenende gab es dort ein „Bienenfest“, das wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Bei dem Besuch der Ausstellung  konnten wir feststellen, dass der Name des Museums durchaus wörtlich zu nehmen ist.

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Die Initiatoren des Bienenmuseums: Andreas Wolf und Florian Haas

Das Neue Museum für Bienen liegt etwas versteckt hinter dem Tower Café. So dauerte es ein wenig, bis wir das kleine Gebäude entdeckten. Die Ausstellung befand sich allerdings nicht im Inneren der Räumlichkeiten, wie wir vermuteten. Vielmehr – und das war der Clou – handelte es sich dabei um kleine Häuschen aus Plexiglas, die direkt auf einen der Bienenstöcke aufgesetzt wurden, die vor dem Museum aufgereiht waren. So konnten die Bienen direkt von ihrem Stock aus nach oben in die durchsichtigen Ausstellungsräume fliegen und die verschiedenen Exponate betrachten. Dabei wurden die nützlichen Insekten ihrerseits von den menschlichen Besuchern beobachtet – eine witzige Idee, die uns aber aufgrund der zum Teil ernsten Thematik der einzelnen Ausstellungsräume auch zum Nachdenken anregte.

Sollen wir sie essen?

Wie wir später auf der Website der Stadtimkerei finger nachlesen konnten, stehen die Ausstellungsräume in der Tradition der so genannten „Figurenbeute“. Dabei handelt es sich um Bienenstöcke, die nicht nur von Imkern bewirtschaftet, sondern auch auf individuelle Art und Weise künstlerisch gestaltet werden. Die einzelnen Ausstellungsthemen erläuterte uns Wolf dann auch persönlich. Auf der Vorderseite eines der durchsichtigen Häuschen stand in großen Lettern: Sollen wir sie essen? Gemeint waren tatsächlich die Bienen! Der Hintergrund: Die UN Lebensmittel-Behörde FAO hat angesichts der weltweit wachsenden Menschheit dazu aufgerufen, den Proteinbedarf vermehrt durch den Verzehr von Insekten zu stillen. Und zu diesen zählen eben auch Bienen. Tatsächlich gelten diese in manchen Ländern durchaus als Delikatesse. Auch Wolf hatte bereits Bienen probiert. Vor allem die Larven, sagte er, würden gegessen und seien vom Geschmack her durchaus mit Shrimps vergleichbar.

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Ein Ausstellungsraum der besonderen Art

Dass der Verzehr von Insekten tatsächlich eine Alternative zur Ernährung mit Fleisch oder Fisch sein kann, erläuterte eine Grafik auf der Seite des Kastens: So ergeben zwei Kilo Insekten ein Kilo Protein, während für die Erzeugung der gleichen Menge an Eiweiß acht Kilo Rindfleisch nötig sind. Auf dem Deckel des Ausstellungsraums waren auch zwei Wahlschlitze zu sehen, wo die Besucher mit JA und NEIN für oder gegen den Vorschlag der UN stimmten konnten. Ein Blick darauf zeigte uns, dass sich die Befürwortung und Ablehnung des UN-Vorschlags durchaus die Waage hielten.

Einsatz der „gemischten Bienengruppe“

Das eher martialische Thema war jedoch nur ein Teil der Ausstellung. Die weiteren Ausstellungsräume zeigten u.a. die vielfältigen Gefahren, welche die Bienen heute bedrohen, und die vielen Lebensmittel und Produkte, die es ohne die Bestäubung durch die nützlichen Insekten erst gar nicht geben würde. Im Museumsshop konnten die Besucher dann auch selbst hergestellten Honig sowie Produkte und Kunstobjekte wie z.B. Vasen aus Bienenwachs und Stempel kaufen. Diese werden von der „gemischten Bienengruppe“ hergestellt, ein loser Verbund von Menschen, die  u.a. in der Nachbarschaft des alten Flughafens Bonames wohnen und bei denen es sich aber nach Aussage der Initiatoren auch um andere Künstler sowie Arbeitslose handelt. Sie werden von der Stadtimkerei finger im Umgang mit Bienen trainiert, zum Teil auch, um sich mit eigenen Bienenstöcken eine Existenz aufzubauen. (Für Interessierte: Die gemischte Bienengruppe trifft sich freitags ab 17 Uhr vor dem Bienenmuseum.) Haas erläuterte abschließend, dass die Bienen nicht nur als „Besucher“ des Museums, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht wichtig seien, denn durch den Verkauf ihrer Produkte soll künftig zumindest teilweise der Unterhalt des Museums bestritten werden.

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Eines der vielen Kunstobjekte im neuen Bienenmuseum

Das kurzweilige Interview mit den beiden Initiatoren des neuen Bienenmuseums hatte uns ganz vergessen lassen, dass die Öffnungszeit des Museums (sonntags zwischen 11 Uhr und 16 Uhr) inzwischen längst überschritten war und wir zu den letzten menschlichen Besuchern an diesem Nachmittag gehörten. Wolf und Haas hatten es dann auch etwas eilig, denn sie waren auf dem Weg nach Budapest, wo sie in dieser Woche neben den aktuellen Standorten des Neuen Museums für Bienen in Frankfurt, Berlin und Amsterdam weitere Räume eröffnen wollen.


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Auch ein verregneter Sonntag hat seine schönene Seiten. Gesehn bei der Pflanzentauschbörse auf dem Ginnheimer Kirchplatz.
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