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Stimmen des Wandels

Wie kann die weltweit wachsende Bevölkerung in Zukunft ernährt werden? Dieser einfachen aber, fundamentalen Frage geht der Dokumentarfilm „Voices of Transition” (zu dtsch. „Stimmen des Wandels“) nach. Wir besuchten die einzige Vorführung in Frankfurt am vergangenen Dienstag in der Frankfurter Naxoshalle. Obwohl der regnerische Abend nicht gerade zum Rausgehen einlud, wurden wir mit einem spannenden Film belohnt, der vor allem eines tat: Lösungen aufzeigen.

Das Voices of Transition-Filmplakat

Das Filmplakat

Die Dokumentation des deutsch-französischen Soziologen und Filmemachers Nils Aguilar, die übrigens größtenteils per Crowdfunding finanziert wurde, liefert reihenweise Ideen, wie die wachsenden Ernährungsprobleme der Weltbevölkerung angegangen werden können. Dies jedoch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern viel Kreativität und Humor. Der Anfang des Films ist indes von eindringlichen Bildern und Zahlen geprägt und zeigt, wie unsere industrialisierte Landwirtschaft durch Konzerne wie Monsanto und Bayer gelenkt wird. Beide Unternehmen besitzen rund 40 Prozent Anteil am weltweiten Saatgutmarkt und sorgen mit ihren Produkten dafür, dass durch chemische Düngung und gentechnisch verändertes Saatgut unsere Böden immer mehr ausgelaugt und vergiftet werden. Ein weiteres Problem ist laut der Dokumentation unsere Abhängigkeit vom Öl. Sollte das schwarze Gold versiegen, würden die weltweiten Logistikströme sofort zusammenbrechen. Das Ergebnis: Nach nur drei Tagen ohne Lkw- Versorgung wären die Regale in unseren Supermärkten bereits leergefegt.

Doch wie lässt sich der Übergang in eine nachhaltige und weniger zentralisierte Versorgung bewerkstelligen? Wissenschaftler, Permakulturdesigner und Pioniere wie Rob Hopkins, der Gründer der Transition Town-Bewegung, zeigen, wie man den Herausforderungen von Klimawandel, knappen Ressourcen und drohenden Hungersnöten mit neuen Wegen und Ideen entgegentreten kann. Die Akteure machen in der Dokumentation zwar verdeutlicht, dass man mit dem Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten keine hundertprozentige Selbstversorgung erreichen kann. Doch gerade, wenn eine ganze Stadt bei der Erzeugung von Lebensmitteln auf urbanes Gärtnern setzt, entstehe nicht nur mehr Unabhängigkeit von Lebensmittelkonzernen und Versorgungsengpässen wie bspw. durch Krisen ­verursacht. Auch die Lebensfreude nehme zu, denn die Zusammenarbeit in einer Community macht vor allem eines: Spaß.

Vorreiter  Kuba

Beeindruckend war für mich vor allem das Beispiel Kuba: Bis Anfang der 1990er Jahre hing das Land vom großen kommunistischen Bruder ab, sowohl beim Export als auch Import. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stand die kubanische Agrarwirtschaft vor dem Aus. Nicht zuletzt Düngemittel fehlten – ein Segen für die Landwirtschaft, wie sich herausstellte. Durch Kreativität im Umgang mit Pflanzenanbau und -schutz sowie intensive Zusammenarbeit, bspw. in Form von Gartenkooperativen, kann sich das Land heute nahezu selbst versorgen. Und das ganz ohne den Einsatz von Pestiziden. So produziert die Hauptstadt Havanna, in der zwei Millionen Menschen leben, sein Obst und Gemüse zu 70 Prozent selbst. Kuba ist somit ein Vorreiter und Vorbild der urbanen Gartenbewegung.

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Garten-Kooperative in Alamar, Kuba (Foto: Nils Aquilar)

 

Anschließende Podiumsdiskussion

Nach dem Film waren wir randvoll mit anregenden und vor allem neuen Informationen. Dennoch trieb uns die Neugier an, der anschließenden Podiumsdiskussion in der Naxoshalle beizuwohnen. Die Diskutanten waren Matthias Emden von Transition Town Frankfurt und Dr. Matthias Mehl, Kreislandwirt Frankfurt am Main. Emden zeigte sich fasziniert von den kreativen Ansätzen des Dokumentarfilms und warb um neue Ideen für eine zukunftsfähige, regionale Versorgung mit geringeren CO2-Emmissionen. Mehl als Vertreter der eher konventionellen Landwirtschaft zeigte sich erwartungsgemäß kritisch gegenüber den im Film gezeigten Lösungsvorschlägen und hielt diese Ansätze für nicht übertragbar auf die hiesige Landwirtschaft. Entsprechend heftig waren die Reaktionen aus dem Publikum. Einmal mehr wurde uns deutlich, dass es fernab des Mainstreams eine wachsende Zahl urbaner Gärtner gibt, die sich für einen völlig neuen Weg in puncto Anbau von und Versorgung mit Lebensmitteln einsetzen – manche kreativ, andere vielleicht noch ein wenig dogmatisch. Es bleibt also spannend, zu sehen, wie sich die Bewegung weiter entwickelt.


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